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Polo 82: Die bedrohten Amerikaner und die europäischen Freunde PDF Drucken E-Mail
hlh_8062_90Haimo L. Handl über die neue Freundschaftshilfspolitik zwischen den USA und der EU.

Die Amerikaner sind bedroht. Nicht wie üblich. Sondern von Raketenbeschuss. Vom Iran. Vom Osten. Deshalb wollen die Amerikaner in Europa Raketenabwehrwaffen installieren, um sich zu schützen. Europa hilft. Zumindest das "neue Europa". Damit zeigt sich der europäische Eifer der Neuen, die sich vom alten abheben.

Einige alte europäische Länder, vor allem die Kernländer Frankreich und Deutschland, warnen vor einseitigen Schritten einiger neuer europäischer Länder der Union, vor allem Polen und Tschechien. Ihre voreilige Kooperation mit dem allgemeinen Freund Amerika würde die geplante gemeinsame Verteidigungspolitik und auch Aussenpolitik unterminieren, erschweren oder gar völlig torpedieren.

Die Frage drängt sich auf, weshalb der gute Freund, der brave Onkel aus Amerika so eine Politik mit Europa treibt, die zugleich eine gegen Europa ist. Die zwiespältige Zweischneidigkeit ist nur möglich, weil Europa nicht eins ist. Auch nicht 27. Sondern "alt" und "neu". Die Amerikaner präferieren das "neue" Europa. Dieses "neue" ist zu diensten. Sie sind zu dienen gewohnt. Sie unterordnen sich willig. Weil sie einen Vorteil ersehen und erheischen. Weil sie sich rächen. An den "alten". Obwohl sie nur durch die "alten" als "neue" in die Union kommen konnten. Aber so ist das im vereinten altneuen Europa.

Und Amerika weiss das. Für Amerika ist gut, was für Amerika gut ist. Das verstehen die Europäer nicht ganz. Zumindest die "alten" nicht, die sich immer noch an die Geschichte und den selbstlosen Einsatz der antifaschistischen Amerikaner erinnern. Die noch dankbar an die Zigaretten, Kaugummis und Nylonstrümpfe für ihre Frauen und Mätressen denken, die sie von den GI's erhielten. Die die Luftbrücke nach Berlin nicht vergessen und meinen, die Amerikaner dächten auch europäisch in ihrem Weltdenken.

Die "neuen" sind da realistischer. Sie sind durch die kommunistische Schule gegangen. Haben den Stalinismus nicht nur von aussen gesehen, sondern selbst erlebt. Nicht nur erlebt, sondern in weiten Teilen freudig gepflegt.

Jetzt wollen sie sich nationalistisch europäisch erweisen. Und ihre Stellung gegenüber den "alten" erstarken. Mit Hilfe Amerikas. Amerika hilft dabei nicht nur sich. Nicht nur militärisch. Denn militärisch ist gegenwärtig keine Gefahr. Nicht vom Osten, nicht vom Iran. Schon gar nicht auf Raketenbasis.

Das Militärische wird in dieser hochmilitarisierten Zeit, die zugleich eine terrorhysterische ist, vorgeschoben. Es geht um Einfluss. Um Macht. Und Schwächung. Die Europäer sollen geschwächt werden, damit das erstarkte Amerika auch in Zukunft der gute, brave, willkommene Onkel sein kann, dessen Hilfe dankbar angenommen wird. Wer zahlt, schafft an. Die Amerikaner wollen weniger zahlen und mehr anschaffen. Das ist smart. Einige "alte" Europäer verstehen das sehr gut und helfen. So wirkt sich die wechselseitige Hilfe gut aus, für die Amerikaner. Die hilfsaktiven Kooperanten meinen, für sie auch. Sie beweisen damit die Mär von einem vereinigten Europa. Sie holen die Realpolitik auf den Boden der Realität und strafen die Programme der Union Lüge oder feuchten Traum.

Die "alten" Europäer investieren viel in die "neuen" Länder. Ein Teil dieser Investitionen ermöglicht den "neuen" eine eigenständige Politik. Im Namen Europas und im eigenen. Nationalismus und Chauvinismus, europäisch finanziert, amerikanisch gelenkt und kontrolliert. Immer haben die Amerikaner Helfershelfer gefunden. Immer haben sie, bis anhin, gewonnen.

Die Union, die europäische, behindert sich selbst und kann keine Energien für eine Gemeinsamkeit, die diesen Freundschaftsdienst des grossen Freundes Amerika zurückwiese, finden. Die "neuen" Europäer wollen ein anderes Europa. Amerika hilft. Bis zum nächsten Krieg. Der ist programmiert.

Wer wird dann den "alten" und "neuen" helfen? Wer den Amerikanern?

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