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Nachlese: Mittelschicht PDF Drucken E-Mail
Zitat aus dem Artikel "Die Mittelschicht als Sorgenkind" von Joachim Güntner, NEUE ZÜRICHER ZEITUNG, 21.06.08, Seite 25 (Der Absatz ist in der Zeitung in einer Spalte ohne Untergliederung gedruckt!):

Mit der Debatte über die bedrohte Mittelschicht steht es ein bisschen wie mit neumodischen Wetterberichten: Bedeutsam sind nicht nur die Daten, die das Thermometer hergibt, sondern auch die "gefühlte Temperatur". Die gefühlten Gefährdungen der Mittelschichten (eigentlich wäre stets der Plural zu benutzen, denn die Mitte zerfällt in zahlreiche Milieus und soziale lagen) sind nach dem urteil von Soziologen wie Stefan Hradil oder Paul Nolte dramatischer als die Realität.

Dennoch räumen auch sie ein, dass es sehr wohl hinreichende Gründe für Unsicherheit gibt. Man denke nur an die alten Mittelschicht-Wahrheiten, die heute ausgehebelt sind:

·    Dass eine gute Ausbildung einen Arbeitsplatz garantiert.
·    Dass harte Leistung gutes Geld bringt und
·    aussergewöhnliche Fähigkeiten prämiert werden.
·    Dass Prosperität allen nützt -
·    dass also eine Firma, die Millionengewinne schreibt, keinesfalls Personal entlässt.

Gilt alles offenbar nicht mehr richtig.

>Zitat Ende<

Anmerkung:

Die Kampagnen der heimischen Wirtschaftskammer klingen anders: "Geht's der Wirtschaft gut, geht's allen gut", wird da einem weisgemacht und zugemutet. Lehrlingsstellen werden staatlich subventioniert und Abermillionen fliessen in Ausbildungskurse, damit die Chancen am Arbeitsmarkt sich erhöhen, obwohl Hochqualifizierte ihren Job verlieren und der Verlust eben NICHT von der Qualifikation abhängig ist.

Die Täuschungs- und Lügenpolitik, eine bessere Bildung und Ausbildung helfe wirtschaftlich weiter zu kommen, wird in naher Zukunft offensichtlich werden, auch für Blauäugige. Bis dahin werden Ausbildungsfirmen, Coaches und Bildungsberater, Kursanbieter usw. viel Geld einstecken, von Naiven und vom Staat, der die Naivität, die Täuschung perpetuiert.

Eigentlich müsste weniger in Ausbildung im Unternehmersinne investiert werden, sondern in Bildung. Dafür müsste der Bildungsbegriff hinterfragt und breit und tief debattiert werden. Das wird aber derzeit verweigert. Die Wirtschaft gibt den Kurs vor und die Regierungen kollaborieren.
HLH

Comments
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Die Regierungen kollaborieren
Lechner 2008-07-03 09:26:24

Den Grund dafür sehe ich in der Abhängigkeit bei der Finanzierung der Wahlkämpfe. Der Rablbauer-Koffer unseligen Gedenkens hätte/hatte ja auch keinem anderen Zweck gedient (ob und wie das Geld zurückgezahlt bzw. auf anderem Weg geflossen ist, entzieht sich der Kenntnis der Öffentlichkeit.
Zu sehen ist nur die Realpolitik (nicht nur der VP) - und die nährt den Verdacht eines Kuhhandels Wahlkampffinanzierung versus unternehmerfreundliche Gesetzgebung
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