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Wie vorgekautes Erinnern den Weg nach Innen versperrt |
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Ruud van Weerdenburg rezensiert "schauhör" von Haimo L. Handl in DIE BUNTE ZEITUNG, 2/07 (Februar-März)
DIE KULTUR-KOLUMNEN von Haimo L. Handl verwendet man am besten als Kalender und beginnt jeden Tag mit der Betrachtung von ein oder zwei Seiten. Gnadenlos wird in den Essays die Mentalität, die angeprangert wird, beleuchtet. Es ist nützlich, zu wissen, welche alten Kleider dem Kaiser damals so vorzüglich passten - damit man auch die neuen in Zukunft auf Anhieb zu entlarven vermag.
"Schauhör" lautet der Titel; eine Variation auf "Hörensagen" und zugleich ein Angriff auf die Ungenauigkeit der medialen Wiedergaben.
"Die Wahrheit ist ein Spiegelbild", heißt die Beschreibung eines Treffens zwischen dem Sozialdemokraten Ernst Fischer und Vaclav Havel. Es wird jedoch ein Trauerfall geschildert und der Essayist gelangt zu der Erkenntnis, dass die Wahrheit ein temporäres Konstrukt darstellt.
"Austrokoffer", "Jelinek & Peymann", "Die Buchmesse ist keine Lesemesse" - Die Grenzen zwischen Aphorismus, Essay und Parlandopoesie werden gesprengt. Es gibt bestimmt Leser, die die Scherben nicht mögen, die dabei entstehen. Denn es wird .kein Blatt vor den Mund genommen, was sich auch stilistisch als Vorteil entpuppt. "Verinnern" ist ein Musterbeispiel dafür, wie vorgekautes Erinnern den Weg nach "innen" versperrt.
Es wirkt tatsächlich einleuchtend, wenn man diese Themen aus den Jahren 20042005 neben die aktuellen "Aufhänger" der Tagesnachrichten legt. Allein schon eingedenk der Arbeitsweise von Ezra Pound – "There must be some system in this madness" - oder der Feststellung von Peter Turrini (im "Spiegel"): "Was Inspiration betrifft, ist Österreich ein Land voller gefundener Fressen..."
Haimo L. Handl: "SCHAUHÖR". KulturKolumnen.
Wien, Viza Edit 2007. Preis: 9,90
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