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Zum nationalen Staatsfeiertag, 26. Oktober 2007
Haimo L. Handl
Hören Sie die Rede im ZITIG-Podcast !
Liebe Österreicherinnen und Österreicher, liebe Landsleute und Fremde, die als Gäste uns willkommen sind, liebe Mitmenschen, die hier in unserem schönen Österreich mitleben, mitpartizipieren und mitgestalten. Die miteinander mitverdienen. Die verdienen. Gelobt zu werden.
Meine lieben Österreicher und Österreicherinnen! Wir leben auf keiner Insel, aber in einer. Wir sind reich, zumindest einige von uns, es geht uns gut, beweisen die Statistiken, und die politischen Probleme sind Kleinigkeiten, die uns nicht wirklich verstimmen. Also geht es uns besser als gut.
Wir sind, von früher her, von unserem Kulturerbe her, verschrieen als Nörgler. Als Jammerer. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist: ohne uns kein abendländisches Europa. Wir waren der Schutzwall, wir trotzten den Ottomanen, den türkischen Horden, den islamischen Eroberern. Wir haben die Islamisierung Europas, wenn schon nicht gänzlich verhindert, wie wir heute gezwungen sind anzuerkennen, so doch lange hinausgezögert.
Wir sind das Land der Gegenreformation. Der katholische Geist ragt mit uns weit in den Osten. Nur aus dem reichen, komplexen Gefüge der k.u.k. Monarchie konnte soviel Kultur erwachsen, dass heute noch Kultureinrichtungen, nicht nur bei uns, in Europa, ja in der ganzen Welt, davon zehren. Das konnte uns niemand nachmachen. Österreich ist ein Schatzhaus der Welt.
Deshalb, liebe Landsleute, ist es verständlich, dass manche Politiker noch monarchische Gesinnung und Züge zeigen in ihrem Gebaren. Wir sollten Nachsicht üben. Verweigern wir uns dem tödlichen Neid, der schlimmsten Todsünde überhaupt. Gönnen wir den Reichen, auch den Neureichen, ihren Reichtum. Gott hat es so gewollt. Nörgeln wir nicht immer, und seien wir nicht neidisch, wenn ein paar Tüchtige tüchtig belohnt werden. Wir alle profitieren ja davon. Sie, meine lieben Österreicherinnen und meine lieben Österreicher, dürfen sogar mitpartizipieren. Nicht nur am Aktienmarkt. Nein, auch im allgemeinen Wirtschaftsleben, sogar in der Politik. Freuen Sie sich doch! Seien sie stolz! Ihr Stolz muss ja nicht eine Ablehnung unserer integrierten Gäste sein, die freudig am europäischen Aufbauwerk "Zukunft 3021" mitwirken. Denken und handeln Sie in Millennien!
Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen. Dass manchmal wer dabei verliert, liegt in der Natur der Sache. Es wäre inhuman, die Wagemutigen nachträglich zu bestrafen. Wer von Ihnen hätte je die Hochleistungen der Börsenspekulanten erbringen können? Wie hätte die Gewerkschaft gejubelt, wenn ihre Chefvertreter mit ihren Konsulenten und Experten gewonnen hätten in ihren karibischen und anderen tropischen Geschäften? Na, wer? Wir doch, die wir mitpartizipieren. Denn, geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut. Na also!
Jetzt haben halt, wegen einiger unglücklicher Umstände, ein paar Aktionen zu Verlusten geführt. Doch die Volkshetze, der Neid, die Schadenfreude, die öffentliche Vorverurteilung sind ungerecht und inhuman. Sind unzivilisiert. Nicht nur nach rechtlichen Aspekten, wonach die Unschuldsvermutung unbedingten Vorrang hat. Sondern auch nach moralischen Aspekten.
Ich, als Präsident, appelliere daher an Sie, liebe Österreicherinnen und Österreicher, liebe Landsleute, sich nicht verdriessen zu lassen, zu jammern und zu nörgeln, sondern frohen Mutes, stark und einig sich an die politischen Aufgaben zu machen, die der Lösung harren. Unterstützen sie die Grosse Koalition in ihrem ernsthaften Bemühen, die Schulpolitik zu modernisieren, die innere Sicherheitsfrage zu klären, die Wiener Polizei zu erneuern, das Prostitutionswesen zu verbessern, die Fussballstadien besuchersicher zu machen und den Gästeverkehr zu fördern.
Entlasten Sie auch, bitte, die maroden Krankenkassen. Überlegen Sie sich, ob und wann Sie unsere hervorragenden Gesundheitseinrichtungen, um die uns fast die ganze zivilisierte Welt beneiden, nutzen. Ob es nötig ist, so viele Pillen zu schlucken, zum Arzt zu gehen oder auf eine bezahlte Kur.
Immerhin ersparen wir uns dank unserer altbewährten Trinkkultur die in andern Ländern üblich gewordenen immensen Ausgaben für Psychiater und Psychologen. Damit beweisen wir, dass Weinkultur Gesundkultur ist. Es gilt nur, Mass zu halten. Die Jungen müssen da noch besser hingeführt werden und nicht gleich übertreiben. Aber, schon Sokrates schimpfte über die Jugend. Wir wollen es ihm nicht nachmachen. Es ist alles nicht so schlimm. Unsere Jugend ist gut, liebenswert und förderungswürdig. Die wenigen Ausnahmen, die von den Medien leider sensationslüstern verzerrt werden, ich sage nur "Komasaufen", sind nicht repräsentativ. Unsere Jugend ist in der Mehrheit verantwortlich und gebildet. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Und die ist, auch wenn's einigen Schwarzsehern nicht gefällt, rosig.
Schauen Sie auf unsere Universitäten und Fachhochschulen. Aus ganz Europa eilen Sie zu uns. Weshalb? Weil wir so gut sind. Wir leisten einen europäischen Bildungsaufbauanteil wie kein anderes Land in der Union. Einige engstirnig Ängstliche kritisieren den hohen Ausländeranteil an unseren Universitäten. Ich, Ihr Präsident, sage Ihnen, das ist falsch. Gerade darin, dass wir alle, die kommen wollen, mit offenen Armen empfangen, zeigen wir eine Menschlichkeit und Zukunftssicherheit, weil wir damit beweisen, dass Bildung, österreichische Bildung, etwas wert ist und Zukunft hat.
Liebe Österreicherinnen und Österreicher. Auf dem Heldenplatz steht wieder einiges Friedensgerät unseres Friedensheeres. Gehen Sie hin, lassen Sie sich zeigen, wie modern und zukunftsorientiert unser glorreiches Bundesheer ist. Auch Mädchen finden dort zukunftssichere Arbeit. Das Heer ist ein moderner, weltweit tätiger Dienstleistungsbetrieb. Ich hoffe, das Bundesheer wird deshalb in den nächsten Dezennien mehr unterstützt, als bisher. Es ist Österreichs Visitenkarte.
Liebe Österreicherinnen und Österreicher. Zum Nationalfeiertag 2007 ein dreifaches Hoch, ein Glück auf!
Ihr Präsident
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