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thumb_schauhoer_3oowWolfgang Gruber rezensiert Haimo L. Handls KulturKolumnen
31.01.2007

Dieser Tage erschien das neue Buch von Haimo L. Handl. Es ist eine Sammlung seiner Kulturkolumnen von 2004-2005, die er im online-Magazin kultur-online.net publiziert. Im Buch versammelt stellt sich noch eindrücklicher die Wirkung seiner komplexen Sprache, seiner scharfen Argumentation und seiner hohen Moralität ein. In ihrer eignen Nachbarschaft lizitieren die Texte sich irgendwie hoch, gewinnen an Intensität.

Handl ist ein Moralist. Nicht moralinsauer, sondern engagiert und enragiert. Er lässt sich nicht simpel "links" oder "nicht-links" zuordnen. Seine Abscheu vor den "Rechten" ist offensichtlich. Trotzdem ist er kein Parteigänger, kein "Linker". Anarchist wird er schon deshalb nicht sein können, weil ihm da die Vernunft Barrieren legte; er wäre zu wenig oder gar nicht "romantisch" dazu. Neben sensiblen, aufmerksamen Beobachtungen verschiedenster Kulturaspekte, widmet er sich immer wieder zwei, drei Themen, die durchgängig  seine Reflexion, sein Denken beanspruchen: Bildung, Sprache, Politik. Es gibt schier keinen Bereich, in dem er nicht den gesellschaftlichen, politischen Aspekt beäugt, bedenkt, bewertet. Er folgt nicht Trends oder gängigen Sichten, ist also kein "politisch Korrekter", kein Mitläufer, kein Mittäter. Er fühlt sich der Aufklärung verpflichtet und scheut sich nicht, das klar und laut zu sagen. Er tritt in Fettnäpfchen und geniert sich nicht. Er gebraucht eine Sprache, die nicht dem üblichen Journalistenjargon oder dem Kurzsprech der Halbgebildeten entspricht. Das heisst, er wird nur eine Minderheit erreichen, kein Massenpublikum. Wer sich das Buch mit seinen 272 Seiten vornimmt, gewinnt eine Fundgrube. Vielleicht irritiert er die eine oder den andern; Handl polarisiert. Er ist kein Harmoniker. Er ist fordernd. Wer darauf einzugehen vermag, gewinnt.

schauhör
KulturKolumnen
Haimo L. Handl
Format 120 x 180 mm, broschiert, 272 Seiten
Wien, VIZA EDIT 2007
ISBN 978-3-900792-22-0
€ 9,90

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