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Nacht - Keersmaeker & Compagnie Rosas in Wien PDF Drucken E-Mail
thumb_keersmaeker_nacht_1NACHT 
Anna Teresa De Keersmaeker & Compagnie Rosas

Ruud van Weerdenburg zur Aufführung des Tanztheaters im Theater an der Wien, 13. Juni 2007

 


 
 

keersmaeker_anna_teresa_deDie Choreographin Theresa de Keersmaker, die am Anfang selbst auch mittanzt, berührte beim Verlassen der Bühne einen der vielen hohen Baumstämme - nachdem sie und alle Tänzer(Innen) mehr als acht Mal vom Applaus vor den Vorhang gerufen worden waren. Aus ihren Gesten konnte man dabei nicht schließen, ob sie den Baum auf den richtigen Platz schob, ihm dankte oder eben Kraft aus ihm aufsaugte. Stets hielt sie Kontakt mit den Tänzer(Innen). Einen Augenkontakt links, Schulterberührung rechts.

Die vielen Baumstämme hatten ihren wichtigen Teil beigetragen beim Zustandekommen der "Nacht"; Mangel an Licht - und Nebelvortäuschung - freilich auch. Und nicht zu vergessen: die vielen Männer, die, dunkel gekleidet, mit ihrem Rücken zum Publikum gekehrt still standen.

Auf die Männer wurden wir neugierig, schon im ersten Teil - wir Zuschauer, die auch "Miles, Bitches Brew" schon gesehen hatten, in dem das ganze Programm angefüllt war mit fesselnder, entzückender Choreographie und der vollzähligen Equipe. Frauen und Männer auf der Bühne, bei Musik von Miles Davis.

Es lag also nicht an den vier Tänzerinnen am Anfang - im Gegenteil: diese nymphenartigen Erscheinungen bauten quasi die Erwartung von Begegnung auf. Die Finger der rechten Hände waren dabei bestimmend, abtastend, richtungsweisend. Dieses Fingerspitzengefühl der Nymphen war bei de norwegischen Tänzerin Tale Dolven am deutlichsten, als ob sie noch am stärksten mit dem mythologischen Baum verbunden sei.

Die linken Hände der Männer waren auffallend oft flach über der Schulter zurückgezogen. Düsenjagern ähnlich - die Ellebogen erinnerten dabei an einen Bumerang - womit auch die Begegnung ausgedrückt wird, zu gleicher Zeit aber auch das Zurückziehen in die Isolation.
.
Es ist nicht leicht, etwas Sensationelles und individuell Berührendes so überzeugend darzubieten. Man fragt sich, ob so etwas souverän Inspirierendes nur im Modern Dance möglich ist.

Die ausgearbeitete Unsicherheit, und damit die Lust auf Risiko, ist zur Zeit das Privileg der ChoreografInnen und PerformerInnen.

Es gibt nicht mehr so viel "Grundarbeit", der therapeutische Aspekt ist sozusagen in den letzten Jahrzehnten auf der Strecke geblieben.



Die Herausforderung zur Darstellung von Körpern im Zusammenhang mit der Umgebung wird aber immer spannender; - hier folgen einige Aussagen von TänzerInnen, die an "Artists in Residence" "Ost- und Südosteuropa im Dialog", ein Projekt von KulturKontakt Austria und dem Tanzquartier Wien in Zusammenarbeit mit MASKA mitarbeiteten:

"Ich beschäftige mich mit dem Gedächtnis meines verborgenen Körpers."
(Mihai Mihalcea)
"Ich ziehe mich in mich selbst zurück (und entziehe mich den anderen)."
(Marta Ladjánski)


NACHT
Choreographie Anna Teresa De Keersmaeker
Compagnie Rosas, Brüssel
The Duke Quartet

Theater an der Wien
Koproduktion mit ImPulsTanz
Premiere am 13. Juni 2007, Reprisen am 15. & 16. Juni 2007

Musik von Béla Bartòk, Ludwig van Beethoven und Arnold Schoenberg

Aus der Programminformation des Theater an der Wien :
 

In NACHT kombiniert Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrer Compagnie Rosas drei Werke ihres Repertoires. Mit den Choreographien zu  Béla Bartóks Streichquartett Nr.4, Ludwig van Beethovens Große Fuge und Arnold Schönbergs Verklärte Nacht bringt sie drei außergewöhnliche Dialoge zwischen Tanz und Musik auf die Bühne.

1. Béla Bartók, Quatuor N° 4
Das erste Werk, Quatuor No. 4, ist ein minimalistisches Gruppenstück für vier Tänzerinnen, untermalt vom vierten Streichquartett des ungarischen Komponisten Béla Bartók. De Keersmaeker kreierte es 1986 als Mittelstück ihrer Choreografie "Bartók/Aantekeningen" und nahm es später für "Mikrokosmos" (1987) und "Herzog Blaubarts Burg" ihrer ersten Operninszenierung, wieder auf.

2. Ludwig van Beethoven,  Die große Fuge
Das zweite Werk ist Anne Teresa De Keersmaekers Inszenierung zu Beethovens Die große Fuge, die der Komponist als sechsten und letzten Satz seines 1825 entstandenen Streichquartetts in B-Dur op. 130 konzipierte. Keersmaeker kreierte das Stück ursprünglich für "Erts" im Jahre 1992 und überarbeitete es später für den dritten Teil ihrer Choreografie "Kinok" (1994).

3. Arnold Schönberg, Verklärte Nacht
Den Abschluss macht Keersmaekers 1995 inszeniertes Stück zu Arnold Schönbergs Streichsextett Verklärte Nacht. Es entstand als Teil eines Schönberg Abends am La Monnaie unter der musikalischen Leitung von Antonio Pappano. Das Stück wurde anschließend in die Produktion "Woud" (1995) integriert.

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