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Haimo L. Handl zur schrecklichen Ernüchterung nach dem historischen Umfaller von Gusenbauer: Voller Sieg der Schwarzen, volle Niederlage der Roten!
Gestern, am schwarzen Montag, war es soweit, es zeigte sich die wüste, dunkle Wahrheit, der billige, schnöde Verrat. Indem Dr. Alfed Gusenbauer sein persönliches Ziel erreichte, opferte er Interessen seiner Partei und jener Wähler, die mit Ihrer Stimme für die SPÖ, trotz der peinsamen Skandale, gehofft hatten, eine Änderung herbeiführen zu können.
Gusenbauer macht deutlich, dass alles noch viel schlimmer kommen kann, als man es sich vorstellt. Er beweist damit auch, dass die SP eine "WP", eine "Wapplerpartei" ist, unfähig nötiger Visionen, noch unfähiger, den kleinen Vorsprung der Wahl vernünftig zu nützen.
Man sieht, auf die Sozis kann man sich, wie die Geschichte lehrt, nicht verlassen, denn dann ist man verlassen. Sie sind Verräter. Ich beklage das nicht aus einer unlauteren Historienübertragung, obwohl die Umfaller der österreichischen und vor allem der deutschen Sozialdemokratie nicht nur Legion sind, sondern auch verheerende Folgen zeitigten.
Ich beklage das, weil damit bewiesen ist, dass kein Lernprozess stattfand, dass Schüssel nicht nur die bessern Nerven hat, sondern auch der smartere Verhandler ist, kurz, der Politiker, der's kann und gegen den die roten Wappler nur stottern, keuchen, zurückweichen und blöd reden.
Jetzt ahnt man auch den Hintergrund der roten Bosse in den Gewerkschaften, Banken und Grossbetrieben, von denen viele eine befremdliche, menschenverachtende Haltung sich angeeignet hatten, die man eigentlich den Yuppies oder Zylindernadelstreifkapitalisten zutrauen würde, nicht aber Sozialdemokraten. Sie waren die einzigen Realisten in der Partei. Waren erfolgreich. Für sich. Gegen die Partei. Gegen die Kleinfunktionäre. Gegen die Mitglieder. Gegen die Wähler. Aber Alfred Gusenbauer schaffte "seinen" Erfolg auch nur egoistisch, auf Kosten der Partei. Obwohl er kein Verzetnitsch-Verschnitt mit Grasser-Elsner darstellt, eher als einen "Brünnerstrassler" sich gab, als einen "Cuvée", muss man jetzt sagen, die Täuschung war perfekt. Er ist wie die andern. Er passt dazu. Er ist ein- und angepasst. Der Rest kuscht und macht mit.
Das Hauptproblem sehe ich dabei nicht nur in den momentanen praktischen, politischen Belangen, dass alle Wahlversprochen innert 3 Monaten gebrochen wurden, dass die ÖVP, die nach der Wahl weniger Optionen hatte, als die SPÖ, sich derart stark durchsetzen konnte, sondern in der Ernüchterung, dass es eigentlich keiner SP mehr bedarf, weil diese Art Steigbügelhalter und Mitläufer als Mitmacher billiger unter den geschulteren Yuppies zu finden sind.
Wieviel an Verrat muss noch geschehen, dass die verklemmten, verbohrten, bornierten, träumerischen, unrealistischen, gutgläubigen, falsch-naiven SP-Wähler drauf kommen, dass die Sozialdemokraten abgewirtschaftet haben und nichts, absolut nichts bringen für die Zukunft?
Eine notwendige Reaktion als Lektion an dieser Wappler wäre ein Massenaustritt von SP-Mitgliedern. Soweit sie noch in der Gewerkschaft sind, auch von dieser. Es braucht neue Organisationen, neue Leute, die den Vertrauensvorschuss rechtfertigen und nicht so mies verhökern.
Es ist, wie es einige Zyniker kommen sahen und die jetzt als Realisten sich bestätigt finden: Die SP-ler sind die eigentlichen Schwarzen. Sie nehmen freiwillig mit der zweiten Reihe vorlieb, wenn nur das "Manderl" vorne rot ist. Der Schaden für Österreich ist noch gar nicht abzusehen und zu veranschlagen. Gesellschaftliche Erneuerung und Demokratisierung, Toleranz und Integration, Bildung nicht nur nach den engen Massstäben der Wirtschaft, Gesundheitsversorgung, die allen zur Verfügung steht, verantwortliche Umweltpolitik, auch wo sie was kostet: nichts wird wirklich angefasst oder gelöst werden; das Programm ist keines, das heisst, es ist die Weiterführung der ÖVP-Erfolgspolitik. Banken werden reicher, Konkurrenz heftiger, Arbeitsschutz geringer, Geldentwertung höher, Pensionen geringer, Bildung wird wieder zum Privileg. Bei Bedarf redet man sich auf die Globalisierung aus. Man kann halt nicht anders.
Genossen, Freundschaft? Nein, Feindschaft!
9.1.07
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