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Polo 79: Affärenpolitik PDF Drucken E-Mail
hlh_90Haimo L. Handl zur typischen Unverantwortlichkeit der Show- oder Affärenpolitik
13.2.2007


Die Umfragewerte zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung annimmt, ein Hauptteil der politischen Tätigkeit sei "Show" bzw. Öffentlichkeitsarbeit, also "Kommunikation" oder, wie man früher einfacher aber deutlicher sagte, mehr reden als tun.

Eigentümlich bleibt bei dieser durchaus realistischen Einschätzung, in der nur stört, dass der Pater Willi (Molterer) im Gegenteil als sachlich arbeitsam erscheint und den geringsten Showert aufweist, wo er doch einfach seinem Habitus entsprechend langsam redend die Hände einsetzt und grimmig blickt, dass damit nicht auch der Verantwortungsbegriff realistisch reflektiert wird: wo das Vorgeben oder Reden oder Schwätzen regiert, also der Verkauf des "als ob", muss man andere Verantwortungskriterien anlegen und fordern.

Das gilt natürlich auch und nicht zuletzt für Spitzenmanager. Sie werden höchst bezahlt, doch fällt auf, dass sie im negativen Falle, wenn Verluste aus ihrer Qualitätsarbeit resultieren oder gar kriminelle Machenschaften Teil der Alltagsarbeit waren, sie nicht adäquat zur Verantwortung gezogen werden.

Ganz deutlich, und in leider vielen Fällen empirisch belegbar, ist dies bei Aufsichtsräten. Sie heimsen hohe Gelder für ihre Aufsichtstätigkeit ein und kommen glaubwürdig damit durch, wenn es einmal brenzlig geworden war, dass sie nichts wussten und wissen konnten, dass eh Experten (Rechnungsprüfer & Co.) geprüft hätten, dass sie besten Wissens und Glaubens ihr Plazet gaben usw. usf.

Weshalb man sich trotzdem so teure Einrichtungen hält, muss also andere Gründe haben. Jedenfalls solche jenseits von Qualität und persönlicher Leistung. Welche? Man kann es sich ausmalen. Doch hinsichtlich der Verantwortung nützt auch das Ausmalen nichts: die unfähige Aufsichtsrätin, wie jene dackelblickende Gewerkschafterin, die in der BAWAG zwar Fragen stellte, wie sie behauptet, aber immer mit allen Antworten zufrieden war, verkörpert nur jenen Typus, dem auch der Gewerkschaftspräsident entspricht: Bürokrat und Apparatmitglied. Treu und redlich. Nur nicht auffallen, nur nicht stören, nur nicht den Mund aufmachen, worin man kein Experte ist, denn gerade deshalb erhält man die Aufgabe.

Wie der Gewerkschaftspräsident bemüht ist, die Emotionen wegzuschieben und alles zu den Gerichten hin, erinnert an die Fünfzigerjahre und das feige Apparatschickverhalten. Reden, wenn es nicht mehr anders geht und alles auf das System schieben. Bei solchen Typen kann es keine persönliche Verantwortung geben. Deshalb war es nur konsequent, dass die Gewerkschaftsbank so hohe Abfertigungen zahlte. Sozusagen als anerkennende Draufgbe für den Misserfolg. Damit er persönlich wenigstens keiner wurde und die Belohnung die Unbill möglicher lästiger Fragen erträglich macht.

Das Fänomen solcher Unverantwortlichkeit ist kultürlich nicht auf Mitglieder der Rosaroten (SP) reserviert. Jene, die man als "schwarz" ansieht, sind darin geübter, geschickter und erfahrener.

Das Unverantwortungsproblem ist kein bloss parteiliches, es ist eines der Macht. Und Kontrolle. Hier klafft ein fataler Graben. Wir haben keine adäquat funktionierende Machtkontrolle. Macht, die das weiss, gebraucht dies. Solcher Gebrauch wird, für die anderen, zum Missbrauch. Im herrschenden System heisst das: Je besser es den Spitzenmanagern geht, desto höher der Schaden für die andern.

Je länger wir uns mit derartigem "Denken" einrichten, desto selbstverständlicher wird die Missbrauchspolitik als Affären- oder Showpolitik ihre sumpfigen Blüten treiben - zum Wohle der Spitzenkräfte, zum Schaden der Gesellschaft.
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