Karlheinz Pichler zur Kritik an der "print" Grafiktriennale 2007 in Wien
14.9.2007
Die Replik von Haimo L. Handl auf Helga Cmelkas Antwort und Karlheinz Pichlers Beitrag erscheint hier am 15.9.2007
Ich habe dies Print-Ausstellung in Wien zwar nicht gesehen, möchte aber dennoch meinen Senf dazu geben, insofern ich es als nicht legitim erachte, eine Ausstellung zu einem wesentlich Teil rein über die Verpackung - sprich das Eröffnungsritual - zu zerfetzen und den eigentlichen Inhalt der Ausstellung links liegen zu lassen - zumindest bis auf ein paar wenige willkürlich herausgegriffene Aspekte. Mich selber stören die nichtssagenden Redestaffetten von Ehrengästen, Politikern und Sponsoren auch massgeblich. Aber genau deshalb schau ich mir die Ausstellung an einem anderen Tag an, oder ich gehe erst zur Vernissage, wenn diese Geplänkel längst vor bei sind. Entweder geht es mir um die Kunst oder den Event. Steht mir die Kunst nahe, so steht diese für mich im Zentrum und das andere geht mir am A... vorbei.
Wie muss es aber für einen Künstler oder eine Künstlerin frustrierend sein, wenn das Beiwerk, die Rahmenhandlung Publizität erlangt, der Inhalt des Anlasses, also die ausgestellten Werke, vom Kritiker jedoch unbeachtet bleiben.
Viele Kunstschaffende, die sich mit Drucktechniken beschäftigen, sind nicht nur kreative und begabte Köpfe, sondern auch hervorragende Handwerker. Sie pflegen diese Spielart ihrer triebgesteuerten Beschäftigung über Dekaden hinweg und entwickeln sich solcherart zwangsläufig zu Meistern ihres Faches. Man sollte also vorsichtig damit sein, alles und jeden über einen Kamm zu scheren.
Auch die Frage, wo die Drucktechnik beginnt und wo sie aufhört, ist müssig. Die älteste Drucktechnik ist ja der Holzschnitt - und dieser wurde in erster Linie ja "erfunden", um Sprache und Bilder vervielfältigen zu können. Klar hat sich in dieser Intention manches geändert. Das Drucken selber ist zur Kunst geworden. Aber wie Kunst und Kunstbegriff generell im letzten Jahrhundert aufgrund der gesellschaftlichen, ökonomischen, kulturellen und technischen Öffnungen Erweiterungen erfahren haben, sind auch die Drucktechniken vorangetrieben worden. Die klassischen Druckmöglichkeiten haben im Sog der technischen Errungenschaften zeitaktuelle Entsprechungen erhalten. So habe ich persönlich keine Mühe, Computergrafik oder auch Fotografie als drucktechnische Spielarten anzuerkennen.
Umso mehr, als diese "Innovationen" den klassischen Varianten zu einer Renaissance verholfen haben. Die Tiefdruckverfahren - also Stiche, Kaltnadelarbeiten, Radierungen, Aquatinten oder Heliogravüren - erleben beispielsweise derzeit eine regelrechte Blüte. An ihnen lassen sich sozusagen Handschriften und Authentizitäten ablesen und damit sind sie für viele Sammler interessanter, als die meisten Fotografien, hinter denen die Autorschaft vielfach verschwindet. Natürlich kann man das nicht generalisieren, denn auch viele fotografische Positionen sind unverwechselbar und erzielen am Markt denn auch entsprechende Preise.
Jedenfalls ist es unübersehbar, dass viele Kunstschaffende von den spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten der verschiedenen Druckverfahren fasziniert sind. Im Tiefdruckverfahren beispielsweise kann jedenfalls nicht nur Helles und Dunkles in unerreichtem Kontrast oder auch in subtilsten Übergängen sowie in genau bestimmbaren Farbskalen festgehalten werden, sondern auch auf die Oberfläche des Papiers eingewirkt werden, die so nicht wie im fotografisch oder digitaltechnisch produzierten Bild in der Anonymität versinkt.
Ein gutes Beispiel dafür, welchen Stellenwert und auch geänderte Funktion die Drucktechnik heute haben kann, ist der deutsche Künstler Thomas Schütte. Dieser stellte fest, dass seine Zeichnungen, die er nicht zuletzt für die Entwicklung anderer Arbeiten brauchte, ständig schneller aus seinem Atelier verschwanden. Die Konsequenz daraus: Schütte fing an, selbst seine spontanen Ideen und Skizzen in Form von Radierungen festzuhalten und abzulegen.
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