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Tausend und eine Spur. Fotografien von Christine de Grancy PDF Drucken E-Mail

thumb_grancy_photo_christine_deIm Rahmen der regionale 08:

Tausend und eine Spur. Fotografien und Texte von Christine de Grancy

Noch bis zum 13.9.08!

 

Ort: Schloss Hainfeld, Leitersdorf

Dauer: 6.7. - 13.9.2008
Eröffnung: 5.7.2008, 18 Uhr

Öffnungszeiten: Di - So 10 - 18 Uhr
Führung  Fr 12 - 18 Uhr, Sa - So 10 - 18 Uhr, alle zwei Stunden
Anmeldung zur Führung: Festivalhotline 0800 36 20 36, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Finissage:
mit Konzert Mariem Hassan
12.9.2008, 19 Uhr

Formatleitung: H. Peter Friedl

Zugänglichkeit:
Dieser Ort bietet die Möglichkeit, Aufstiegshilfen und Leihrollstühle in Anspruch zu nehmen. Entsprechende Toilettenanlage vorhanden.

Eintritt frei.

Programmübersicht regionale 08 hier .

 



Zur Ausstellung gibt es einen schönen Katalog (Format  250 x 280 mm, broschiert) mit vielen Schwarz-weiss-Abbildungen und Texten der Fotografin Christine de Grancy, einer Einführung von Carla Amina Baghajati und dem Text "Ein Spiegelpalast für vier Frauen" von Ruud van Weerdenburg. Der Katalog führt den Untertitel "Ein Schloss. Zwei Frauen und mehr als drei Wege in den Orient". Die Bildkommentare erzählen verbindende Geschichten, die sich, weder aufdringlich, noch redundant, eindrücklich einfügen und so das Gesamtwerk zu einem mehrschichtigen, komplexen Gebilde von Bild und Wort werden lassen.

Zuerst überrascht vielleicht, wie gut die Fotografin zu schreiben versteht. Man erfährt nicht nur über die Entstehungsgeschichte der Ausstellung und des gleichnamigen Kataloges, sondern kriegt, en passant, eine Historie mitgeliefert, die einerseits privat ist, andererseits ausholt und weiterführt. Was abstrakt sein könnte, wird dadurch konkretisiert, jedoch nicht "privatisiert". Christine  de Grancy schafft es auch im Schreiben, Poesie einzufangen. Der Kontrast zwischen lapidarer Feststellung und fragiler, nuancierter Deutung ist nicht nur reizvoll, sondern einladend, Blick schärfend. Hier wird nicht nebulos geträumt, was die Bilder bestätigen.

Fasst man in kurze Worte, was sie ausbreitet, tut man Gewalt an, denn es ist kein name dropping: Nadeschda und Ossip Mandelstam, die Mitscherlichs, Paul Celan, Marina Zwetajawa, Rilke, Pasternak, Hofmannsthal, Goethe, Schubert, Frommelt. Es sind Wegmarken, die ein Netz bilden, eine Reiseroute, die dazwischen mit Orten und Ereignissen angereichert wird, und die, wie Wegweiser, für Weltengegenden, auch geistige, stehen. Sie schreibt von Kindheitserinnerungen, Erfahrungen der Fremde und des Fremdseins sowie dem Heimischwerden. Der Erfahrung von Entwurzelung, Flucht und Demütigung und dem dauernden Versuch, "über Grenzen nach zu denken". So gewinnt Hainfeld in der Verbindung mit entfernten Orten eine Mehrfachbedeutung und es klingt der Einen Schuberts "Suleika" im Ohr, während dem Andern Zeilen aus Goethes "West-östlicher Diwan" heraufdämmern und sich in die Landschaft fügen, die die Bilder von Christine de Grancy eingefangen haben und ausbreiten, wiedergeben.

Ruud van Weerdenburg, Niederländer aus Amsterdam, in Wien und Graz lebend, kannte bzw. kennt die zwei Protagonistinnen, um die es in der Ausstellung und Katalog um Hainfeld und Joseph von Hammer-Purgstall geht: Cleo Hammer-Purgstall und Gisèle d'Ailly van Waterschoot.  Er hat auch Wolfgang Frommel gekannt und mit ihm konversiert; Frommel hat dort mit Dame van Waterschoot Castrum Peregrini mitbegründet. 

So fügt er Erinnerungen und Beobachtungen zusammen, die einerseits das Bild der beiden Damen und die Geschichte um Schloss Hainfeld abrunden und in einen festen Bezug zu Amsterdam setzen, die andererseits einige Wegmarken von Christine de Grancys Bildern mit sensiblen Anmerkungen versehen und eine weitere Seite aufschlagen für die Leserin, für den Betrachter.

Haimo L. Handl 

 

grancy_photo_christine_de

 

(Fotografie vom Katalog, (c) Christine de Grancy)
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