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Sister - Tanztheater PDF Drucken E-Mail

thumb_sister_keersmakerRuud van Weerdenburg über eine Tanztheateraufführung von Anna Teresa de Keersmaeker und Vincent Dunoyer im Wiener Volkstheater im Rahmen von IMPULSTANZ am 16.7.2007

 

 

 

thumb_impuls_sisters_250Zwischen Choreograph und Tänzer muß eine Unterschied existieren, sonst würden die beiden austauschbar sein. In "Sister", einem Tanzstück für zwei Personen, wird auf die Unterschiedlichkeit bzw. Eigenheit beider Rollen gewiesen - "Du!" sagen irgendwann die Frau und später auch der Mann zum Publikum, beide in kniender Position. Humor als Anfang und als Notlösung zwischendurch, als ob damit den Körpern Ruhestationen gewährt werden sollen. Das schein wichtig, ja sogar unentbehrlich, um kräftige und flexible Bewegungsabläufe zum Tanzen zu bringen.

Der Humor sorgt für Elastizität, die auch die Geschichten, den Holzschnitten des belgischen Künstlers Frans Massereele nachempfunden, nahtlos ineinander fügen . Manchmal empfindet man die Choreographie der belgischen Tänzerin einer ähnlichen Logik folgend, wie man sie aus den oft comichaften Holzschnitten ihres Landsmannes Franz Massereel kennt.

Eckige Ansätze von Bewegungen, die den Notausgang ins Groteske links liegen lassen, finden dabei  glanzvoll zu einem neuem emotional erworbenen Durchgang. Vincent, den jungen Mann  im ersten Teil, könnte man, seine Bewegungen und Kleidung einschätzend, ebenso gut auf der Straße antreffen. Es folgt die Projektion auf eine breite Leinwand in der Hinterbühne vom Tanz eines etwas älteren Mannes, der öfters ausprobiert oder vorgetanzt, vorgespielt wird .Die Abstand zwischen Choreograph und Tänzer ist essenziell: so erwirkt die direkte Darstellung eine Art "Unberührbarkeit" - wie von Geschwistern, die trotz Nähe unterschieden sind und nie ganz zusammenkommen dürfen.

"Oh sister when I come to knock on your door
You should not treat me like a stranger.
Your father would not like the way that you act
And you should realise the danger.."

Vincent tanzt in scheinbar unbefangenen, lakonischen Bewegungen, die von keinem Alltagsmissgeschick gestört werden können.

De Keersmaeker zeigt, wie der Körper, seinen Bewegungsablauf unterbrechend, ruhen kann, indem sie ihren Kopf an den gehobenen rechten Arm lehnt. Solche und ähnliche Bilder schaffen eine eigentümliche Dichte, die ohne jede Musik auskommt. De Keersmaeker und Vincent Dunoyer gelangen zum äussersten "danse pur".

Nach der Tanzaufführung bemerkt sie zum Publikum, dass dieser Abend, die Konfrontation mit diesem Tanz, beide verändere, die Tänzer und das Publikum: "Du veränderst, ich verändere." "You change, I change." I change Position.

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