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Egon Tenert: Fleisches-Lust PDF Drucken E-Mail
Der steirische Autor in 10 Punkten zum Thema vegetarischer vs. fleischlicher Kost.

Seit meiner Pubertät habe ich einen durchaus normalen Appetit auf wohlgeformtes weibliches Menschenfleisch entwickelt, wie er bei heterosexuell orientierten männlichen Exemplaren der Gattung homo sapiens sapiens zu erwarten ist, und stille diesen auch gern, wenn das Objekt meiner Begierde mich ebenfalls zum Fressen gern hat und am liebsten mit Haut und Haar verschlingen möchte. Ich habe jedoch allen fleischlichen Gelüsten entsagt, so fern es sich um Genussmittel handelt, die von tierischen Lebewesen stammen, mögen sie nun auf dem Erdboden kriechen, im Wasser schwimmen oder durch die Lüfte fliegen. In dieser Hinsicht lebe ich seit vielen Jahren enthaltsam wie ein Mönch. Dafür gibt es mehrere Gründe, die ich hier zusammenfassen und erläutern möchte:

1. bin ich ein engagierter Tierfreund, doch keiner von der Sorte, der kastrierte Katzen mit Naschereien verhätschelt, bis sie so fett sind, dass sie sich kaum noch bewegen können, oder der in einem Zoo gerührt ein Eisbärenbaby bestaunt. Vielmehr beweise ich meine Sympathie für Tiere jeden Tag, indem ich mich nicht durch Fleischkonsum an ihrem Leid mit schuldig mache, das bei ihrer Aufzucht und Haltung, bei den Transporten und naturgemäß vor allem bei der Schlachtung verursacht wird.

2. möchte ich allen rational denkenden Fleischfressern, die Vegetarier gern für Spinner, abgehobene Gutmenschen und religiös verblendete Asketen und Fanatiker halten, mit naturwissenschaftlich fundierten Fakten entgegentreten:
Der menschliche Körper weist viele Merkmale auf, die er eindeutig nur mit pflanzenfressenden Tieren, und keineswegs mit Fleischfressern gemeinsam hat:

a) funktioniert die Atmung zu einem großen Teil über Hautporen
b) verfügt er über keine Klauen und Krallen
c) weist er keine scharfen, spitzen Vorderzähne auf, dafür aber abgeflachte Backenzähne
d) verfügt er über gut ausgebildete Speicheldrüsen, um Früchte vorzuverdauen.
e) ist der Speichel alkalisch im Gegensatz zum sauren Speichel von Raubtieren.
f) hat die Magensäure nur ein Zehntel der Konzentration wie bei Raubtieren.
g) ist der Verdauungstrakt 6 x so lang wie der Körper, gegenüber 3 x bei Raubtieren.
   (Fleisch zersetzt sich schneller als Pflanzen und muss schneller ausgeschieden werden!)

3. gibt es für kühle Rechner, die religiöse oder ethische Motive wie Mitleid mit Tieren nur hämisch belächeln, sogar auch wirtschaftliche Gründe, die Produktion von Fleisch zu Gunsten von pflanzlichen Nahrungsmitteln einzuschränken: 85 - 90 % der Getreideproduktion wird für die Viehmästung verwendet, 15 Kg Getreide liefern nur 1 kg Fleisch. Es müsste also kein Mensch verhungern, die Anbauflächen tragen genug Getreide und andere pflanzliche Produkte, die mühelos die ganze Weltbevölkerung satt machen könnte

4. In der Urgeschichte der Menschheit mussten die Jäger noch viel Mühe und Gefahr auf sich nehmen, um Fleisch für den Verzehr zu besorgen. Auch später noch mussten die Bauern das von ihnen gezüchtete Vieh selbst schlachten, also ganz bewusst ihre Hände mit Blut beflecken. Heute ist die Hemmschwelle niedrig geworden, es ist so leicht und relativ billig, Fleisch beim Fleischer oder im Supermarkt zu erwerben, wo es noch dazu so neutral und appetitlich verpackt angeboten wird, dass man schon gar nicht mehr an die tierische Herkunft erinnert wird, es ist nur noch ein standardisiertes Konsumprodukt mit perfektem Design. Man braucht sich nicht mehr die Hände schmutzig zu machen, sondern kann sie gewissermaßen in Unschuld waschen, man hat ja nicht eigenhändig eine Kehle durchschnitten oder einen Schlachtschussapparat betätigt, so etwas würde man doch nie tun, diese Arbeit überlässt man anonymen Gastarbeitern ...

5. Die Tendenz zur Fettleibigkeit in fast allen westlichen Industrieländern hat zu einem großen Teil damit zu tun, dass durch den übermäßigen Konsum von tierischem Eiweiß viel mehr Kalorien aufgenommen werden als durch die zumeist sitzend ausgeübte Arbeit und beim Ortswechsel mit dem Auto verbraucht wird. Kaum jemand, abgesehen von den Gastarbeitern auf Baustellen oder in Bergwerken, übt heute noch eine wirklich schwere körperliche Arbeit aus, die eine so kalorienreiche Ernährung rechtfertigen könnte. Außerdem beweisen viele Spitzensportler, dass man auch als "Körndlfresser" ohne Fleisch sehr viel Kraft haben und spektakuläre Leistungen erbringen kann. Dass man als Vegetarier auch nicht in Gefahr gerät, an Rinderwahnsinn zu erkranken, durch hormonverseuchtes Fleisch seine Männlichkeit einzubüßen oder sich durch uraltes Gammelfleisch zu vergiften, sei nur am Rande erwähnt ...

6. Als kulinarisch versierter Hobbykoch wundere ich mich auch immer wieder, wenn behauptet wird, man esse Fleisch nur wegen des Geschmacks. So viel Eigengeschmack hat Fleisch gar nicht, es kommt beim Kochen vor allem auf die richtige Wahl und Dosierung der Gewürze an, besonders die asiatischen und mediterranen Küchen bieten da ein so breites Angebot an Möglichkeiten, die aus jedem Gemüse eine herzhafte und anregende Köstlichkeit machen können und auch noch als Nebeneffekt die Verdauung unterstützen.

7.
Auch die ökologischen Aspekte sind nicht außer Acht zu lassen: Die Umweltschäden, die durch Phosphate und Nitrate aus der Schweinemast, Hühnerbatterien und ähnlichen Massenzuchtbetrieben verursacht werden, sind gewaltig: Sterbende Flüsse und Seen, Algenteppiche in der Adria und Nordsee, verseuchtes Grundwasser und saurer Regen. Auch die aus Wiederkäuern entweichenden Verdauungsgase (Methan) sind nicht zu unterschätzen, sondern dürften zum Treibhauseffekt sogar mehr beitragen als der CO²- Ausstoß von Kraftfahrzeugen.

8. Viele Besitzer von Haustieren (vor allem Hunde, Katzen oder Papageien) sind durchaus geneigt anzunehmen oder sogar fest davon überzeugt, dass der von ihnen beim Namen gerufene Liebling, der oft quasi Tisch und Bett mit ihnen teilen darf, eine unsterbliche Seele habe, mit der sie eines fernen Tages in einer besseren Welt wieder vereint sein werden. Inkonsequent wie viele Menschen eben leider oft sind, gestehen sie diese Seele und damit auch die Empfindungs- und Leidensfähigkeit und das Recht auf Würde, Freiheit, Unversehrtheit und Leben einem namenlosen anderen Tier nicht zu, nur weil es nicht so hübsch und kuschelig aussieht, einer anderen Gattung angehört, oder zu groß für eine Stadtwohnung wäre. Der Kabarettist Josef Hader legte einmal einer von ihm gespielten Figur folgende Frage in den Mund: "Warum werden so viele Fliegen erschlagen und so wenige Schmetterlinge? - Es kommt eben immer auf das richtige Outfit an!"

9. In östlichen Religionen existiert der Glaube an Seelenwanderung und Wiedergeburt, an einen endlosen Kreislauf von Inkarnationen, die sowohl in pflanzlichen, tierischen und menschlichen Körpern erfolgen kann. Dabei wäre auch der Begriff "Karma" zu erwähnen, der bedeutet, dass alle positiven oder negativen Handlungen, ja sogar Gedanken und Worte, Folgen haben, die bis in das nächste oder sogar in viele folgende Leben hinein wirken können, also auch die Schuld, am Leiden eines anderen Lebewesens mit verantwortlich zu sein. Wie würde es DIR gefallen, als Schwein oder Rind wiedergeboren und zu Wurst verarbeitet zu werden?

10. Zum Abschluss noch ein Argument, das ins Politische geht und manchem braven Bürger auch auf diesem Gebiet mehr bewusst machen sollte: Die meisten Menschen sind noch heute zu Recht erschüttert und empört über das menschliche Leid, das durch den Nationalsozialismus, aber auch z.B. durch den Stalinismus oder Maoismus verursacht wurde. Für unsere tierischen Verwandten ist der Holocaust (ursprüngl. Bedeutung: tierisches Brandopfer) jedoch noch nicht vorbei, er ereignet sich weltweit Tag für Tag millionenfach. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich mit dieser Wortwahl keineswegs die Verbrechen der Nazis an den Juden verharmlosen, sondern nur die Ungeheuerlichkeit des tierischen Leids bewusst machen will ...

Comments
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Kommentar zu Punkt 5
Lechner 2008-06-23 16:33:45

Der Zusammenhang zwischen Fehlernährung und Fettleibigkeit ist zwar grundsätzlich bekannt, doch durch die unwidersprochene Propaganda der Nahrungsmittelanbieter in weiten Kreisen der Bevölkerung inhaltlich im Detail oft mit Fehlinformationen gespickt.
Die Kalorienzahl spielt bei weitem nicht die behauptete Rolle in der Praxis, während die Steuerung aufgrund osmotischer Prozesse überhaupt nicht angesprochen wird. Alle leichtlöslichen Nahrungsbestandteile (wie Zucker, Salze, Alkohol und Aminosäuren) erhöhen primär den Blutdruck und veranlassen die körpereigenen Regulationsmechanismen, aus Zucker höhermolekulare Substanzen aufzubauen (Glykogen, Cholesterin, Triglyceride), bis der Gesamtgehalt an leichtlöslichen Substanzen wieder im Sollbereich ist.
Da der Körper Eiweiß nur in Form der leichtlöslichen Aminosäuren speichern kann, ist besonders nach Abschluß des Längenwachstums eine Reduktion des Eiweißkonsums angebracht.
Ausgehend vom Begriff "stark wie ein Büffel" (der zeitlebens ohne Fleischkonsum auskommt) ist zwanglos einzusehen, dass für den Muskelaufbau Fleisch in der Ernährung nicht erforderlich ist.
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