"Ausländische Zeugen befanden sich in einer
außergewöhnlichen Situation", erklärt der Literaturwissenschaftler Oliver
Lubrich von der Freien Universität Berlin. "Sie waren mittendrin - und zugleich
distanziert. So konnten sie vieles anders wahrnehmen als deutsche Zeitzeugen."
Sie beobachteten beispielsweise sehr genau, wie sich die Deutschen verhielten:
Reagierten diese voller Hass oder apathisch? Wussten sie, dass ihre Führung
nicht nur den Krieg begonnen hatte, sondern auch die Angriffe auf zivile Ziele?
Die meisten ausländischen Beobachter befürworteten den Luftkrieg zunächst. Im
Verlauf des Krieges jedoch stellten sie immer mehr die Frage, ob er moralisch
berechtigt sei, und machten kontraproduktive Wirkungen aus. Eine ideologische
Aufrechnung betrieben sie nicht.
Unter dem Titel "Berichte aus der
Abwurfzone" hat Oliver Lubrich eine Auswahl von Texten zusammengestellt, die als
Februar-Ausgabe der renommierten Buchreihe 'Die Andere Bibliothek' erscheint.
Chronologisch zeichnen die Dokumente die Geschichte des Bombenkrieges aus
unterschiedlichen Perspektiven nach. Die nicht-deutschen Autoren berichten fast
durchweg sachlich und ohne Ausflüchte. Sie bedienen sich zahlreicher Gattungen
und Schreibformen: Tagebuch, Reportage, Rundfunkbericht, Erzählung etc. Viele
der Beiträge erscheinen zum ersten Mal in deutscher Sprache.
Am Peter
Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der
Freien Universität Berlin erforscht Oliver Lubrich seit Jahren internationale
Berichte aus Nazi-Deutschland. Er hat ein umfangreiches Archiv historischer
Quellen zusammengetragen, aus dem 2004 bereits eine erste Sammlung erschienen
ist: "Reisen ins Reich 1933-1945". Der Literaturwissenschaftler ist des Weiteren
Mit-Herausgeber der Werke des Reiseschriftstellers Alexander von Humboldt:
"Kosmos" und "Ansichten der Kordilleren" (2004), "Über einen Versuch den Gipfel
des Chimborazo zu ersteigen" (2006).
Das Buch:
"Berichte aus der
Abwurfzone. Ausländer erleben den Bombenkrieg in Deutschland 1939-1945",
herausgegeben von Oliver Lubrich, Die Andere Bibliothek, Band 266, Eichborn
Verlag, Frankfurt, 2007, 480 Seiten.
Weitere Literatur:
"Reisen ins
Reich 1933-1945. Ausländische Autoren berichten aus Deutschland", herausgegeben
von Oliver Lubrich, Die Andere Bibliothek, Band 240, Eichborn Verlag, Frankfurt,
2004, 430 Seiten.
Dazu: Martha Dodd, Meine Jahre in Deutschland, 1933-1937,
übersetzt von Ursula Locke-Gross und Sabine Hübner, mit einem Nachwort von
Oliver Lubrich, Verlag Eichborn, Berlin, 2005, 446 Seite
n.
Weitere
Informationen erteilt Ihnen gern:
Dr. Oliver Lubrich
Freie Universität
Berlin
Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft
Telefon: 030 / 304 18 93
E-Mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Homepage:
http://www.complit.fu-berlin.de/institut/lehrpersonal/lubrich.html