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Grass: Wer richten will, mag richten. PDF Drucken E-Mail

Wer richten will, mag richten.
Evelyn Brandt zur sogenannten "Grass-Affäre"

 

grass_90Flak-Helfer mit fünfzehn, Kriegsfreiwilliger mit sechzehn, Einberufungsbefehl September 1944, Mitgliedschaft in der SS. Das habe er immer als Makel empfunden, darüber habe er nun schreiben müssen, so der 78-jährige Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Ihn deswegen und wegen dem späten Bekenntnis zur Unperson zu machen, ist im höchsten Maß scheinheilig und dumm. SchriftstellerInnen (und nicht nur die) können persönliche Erfahrungen und Schuldgefühle oft erst Jahrzehnte später in Büchern verarbeiten, das ist menschlich. Ich kenne niemand, der problemlos in der Öffentlichkeit über Scham spricht. Deshalb wird es nicht gelingen, die literarischen und moralischen Verdienste von Günter Grass zu schmälern, auch deshalb nicht, weil seine Werke großartig sind, weil sie Schuld und Sühne, Verdammung oder Bewältigung nicht distanziert und anmaßend abhandeln, sondern mit diesen Fragen ringend darstellen. Man denke nur an „Die Blechtrommel“ oder an „Katz und Maus“. Dem Zeitgeist zu Diensten war Günter Grass nie. 
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