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Besprechung von Wolfgang Gruber eines "schrägen Abends" von Haimo L. Handl im Pygmalion Theater am 29.1.2007
"Blauer Montag" heisst der "schräge Abend", den Haimo L. Handl mit dem Karikaturisten Wolfgang Ammer und den beiden Musikern Stephan Brodsky (marimbaphone) und Edith Lettner (sax) von der Gruppe "phone3phone" im Wiener Kleintheater Pygmalion gibt (nächster Termin: 26.2.07, 20h)
Es ist kein Kabarett, keine übliche Lesung oder "Redung", nachdem Handl nur wenig zitiert und frei spricht. Es ist auch keine szenische Dialogform, obwohl er imaginär "seine Bekannten" Geister einlädt und sie zu ausgesucht zu Wort kommen lässt: das beginnt mit Swift, geht über George Steiner zu Nietzsche zurück, zu Karl Kraus, zur Presse von heute, zur Politik in Österreich und im Allgemeinen, zur Geschichte, zu Sigmund Freud und zu Tschuang Tse von Martin Buber übersetzt und einige andere.
Er reflektiert Fragen der Wahrnehmung, des Zeitempfindens: was ist gegenwärtig, neu, aktuell, alt, obsolet, vergangen? Was künftig? Was heisst "erinnern" und was bedeutet "vergessen"?
Welche Bedeutung haben alte Texte in alten Zeitschriften? Er blättert interessiert in einigen und zitiert. Macht Ausflüge davon und stellt Verbindungen mit Heutigem her. Er spannt die Bögen, schliesst die Kreise in einem offenen, komplexen System.
Ein Abend, der manchmal anstrengend ist, aber befriedigt durch die anspruchsvolle Kost, die auf hohem Sprachniveau präsentiert wird. Wolfgang Ammer liefert seine Kritik als Karikaturen, die er auf der Papiertafel zeichnet. Die Eigenkompositionen von Brodsky und Lettner helfen, die dichte Kost besser zu verdauen und tragen zum eindrücklichen Gelingen des Abends angenehm bei.
2.2.2007
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