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Wo die Wüste aufhört PDF Drucken E-Mail

thumb_horn_wueste"wo die wüste aufhört, beginnt der himmel" von Gerlinde Horn - ein besonderes Buch von einem besonderen Ort.

Rezension von Franz Blaha

 

Für viele hört die Wüste in einer winzigen Sackgasse auf, einer kleinen Ausbuchtung einer kleinen Gasse im sechsten Wiener Gemeindebezirk. "Alkoholverbot" steht an der Tür zu dieser kleinen Bucht, da muss man durch, um ins "Häferl" zu gelangen, den kleinen Hafen für sozial Gestrandete. Bei der Namensfindung ist allerdings nicht die Schifffahrt Pate gestanden, eher schon die Schieffahrt, jene nämlich, die vom bürgerlich gepriesenen geraden Weg ab und in den "Häfen" führt. Dennoch ist das "Häferl" kein Miniaturgefängnis sondern nahm seinen Anfang als der Justiz gegenüber verantwortbare Stätte für Freigänger.

Der zähe Ein-Frau-Kampf um die Unterkirche des größten evangelischen Kirchenbaus der Stadt und das Vorgärtchen wurde anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der Einrichtung in einem Buch festgehalten. Auf knapp 2 von 160 Seiten. Gerlinde Horn lobt sich nicht selber. Der Rest des Buches ist Spur im Sand zweier Jahrzehnte. Manchmal fast fotografisch genau festgehalten in Form von Anekdoten, wie jene, als Gerlinde Horn völlig allein die Nacht im Häferl verbrachte, um einen Einbrecher zu ertappen, was ihr auch gelang. Manchmal als Erzählung einem wahren Ereignis nachempfunden. Oft als Gedicht ein emotionaler Abdruck einer Erfahrung, die der Zeitsturm längst verweht hat.

Ort und Buch sind zwar unabhängig voneinander erfahrbar, aber beide gewinnen in ihrem gegenseitigen Bezug. Das Häferl sogar im materiellen Sinn, denn der gesamte Kaufpreis jeden Exemplares wandert in die Häferlkassa. Die Gestehungskosten hat die Autorin mit großen Opfern selber ausgelegt und versucht, sie durch Spenden und Stipendien hereinzubekommen. Was geschieht aber dort mit dem Geld? Das Häferl hat sich mit den Jahren gemausert. An einem Ort, an dem ursprünglich nur Freigänger ungestört ihren Ausgang verbringen konnten, sind jetzt Haftentlassene gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Kräften damit beschäftigt, Bedürftige an schön gedeckten Tischen zu bewirten. Sie sorgen für saubere Tischtücher, für gutes Essen, für einen gepflegten Garten, veranstalten Feste, laden Vortragende zu heißen Themen ein,  betreiben einen Spendenflohmarkt, versorgen Obdachlose mit warmer Kleidung, informieren über andere Einrichtungen für Randgruppen - und das alles unentgeltlich in stellvertretendem Wiedergutmachen. In einer kaum 2 m² großen Küche werden jährlich zwischen 8000 und 9000 schmackhafte Mahlzeiten bereitet - an den drei Nachmittagen pro Woche, die der Ort zur Verfügung steht. Und das mit einem Beinahe-Null-Budget.

Die Gastfreundlichkeit findet auch im Buch ihren Niederschlag. Der letzte Teil ist nicht von der Autorin selbst geschrieben, sondern von Häferl-Stammgästen, Gastautoren sozusagen. Die allerletzten Seiten sind - in diesem Zusammenhang richtig einladend - leer.

Gerlinde Horn: Wo die Wüste aufhört, beginnt der Himmel. Wien, Evangelischer Presseverband in Österreich, 2007, ISBN 978-3-85073-271-0, Broschur 145x205 mm, 160 Seiten

 



Das Häferl ist Mittwoch und Samstag nachmittags und Sonntag vormittags geöffnet. Es ist für jedermann/jedefrau offen. Essen gibt es gratis, Getränke kosten 0,50 €.

Das Buch ist direkt bei der Autorin zu beziehen: Gerlinde Horn, Lutherplatz 1, 1060 Wien.

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