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Günther Geiger: Tod von van Gogh PDF Drucken E-Mail

Ein älteres Gedicht von Günther Geiger aus dem Jahr 1977, zu dem er anmerkt:

"dieses gedicht: "tod von van gogh" war auslösend auch für meinen gedichteband "luzifers superlative montreux passage", viza edit, fand aber später keine berücksichtigung." Hier ist es:

 

 

Günther Geiger


TOD VON VAN GOGH

 

der kunst euforien

sind leiden des lebens

wer schaffte nur bilder

der suchte vergebens

die antwort der ziele

das ende von träumen

 

es waren zu viele

so muss man versäumen

wahrhaftige ufer

die moosig bespannten

kindern frauen verwandten

 

das elend von nöten

sind stachel der brüste

ein immererröten

bei anderer lüste

der schimmer angst

bei jeglicher freude

das gröbere lachen

beim sämann im feld

 

französische nachen

ziern meine gemälde

ihr schaukeln im wind

man spürts nur im wasser

war nur seine kunst

die wahrheit vergass er

wenn hoffnung erstirbt

die kunst für sich wirbt

 

ich hab mir geschnitten

das ohr vom kopf

so sehr ich gelitten

blieb arm wie ein tropf

gab keine belohnung

mein kreuz stand nicht da

ich bitte um schonung

da christ mir nah

ersuch um vergebung

bei allen schmerzen

will keine belebung

nichts weiter verscherzen

 

in einer minute noch

kriegt meine stirn

ein schön ungemaltes loch

sei dies jeden gewinns

einzige hypothese

verlange rechten sinns

der maler gogh verwese

 

allein dieses bild

ähren im sonnenschein

brot ich nicht hatt

so malte mich satt

rührig wie betende nonnen

 

dann alle hunger wichen

der augen täglichen wonnen

fand im verzücken

der eigengeburten meine

in einer roten tulpe

von der bienenschwärme

süssesten honig holten

ihn auf gierigen lippen

offen zergehen zu lassen

 

mein bruder verzeih

ist dunkel um mich

bei jedem neuen strich

die fröstlichen worte

von köstlichen frauenlippen

die schwarzen gefieder

der vögel über den auen

scharfkantiger schnäbel

mich und werk zerhauen

 

violette wolken drängen

bei regen und sturm

und naturhaften zwängen

sie bringen mich um

ach so versehentlich

mir fehlt der mantel

der pelz an den füssen

ich mach mich noch kälter

als meine götter zuliessen

 

die im schwarzen himmel

und weissen nebeln hausen

in mir schwillt grausen

packt mich am hals

krallt in die brust

dem teufel gefalls

und gott sei es lust

werde ohne sie sterben

 

mein leib wird still

auf den feldern verderben

denen meine seele gehörte

die heil und weh bestimmten

die kunst wie man sie will

fällt den händlern anheim

 

Montreux, Lac Leman, 1977

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