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Kurzbiografie Egon Tenert
Geboren 1955 in Graz. Akademisch geprüfter Übersetzer für Englisch, Lehramtsprüfung für HS, Studium der Anglistik und Sprachwissenschaft, Lehrbuchautor & Lehrer bei "Deutsch in Graz". Seit einem Unfall im Jahr 1994 querschnittgelähmt und in Rente.
Schon seit frühester Jugend fällt er aus jedem Rahmen, setzt sich zwischen alle Stühle, übersteht dennoch alle Kämpfe in der Schule, beim Militär und an diversen Arbeitsplätzen. Süchtig ist er nur nach Liebe, Musik und Literatur, schwebt auch stocknüchtern zumeist in höheren Sphären, ein Hans Dampf in allen Medien-Gassen, ein polyglotter Globetrotter und Bürger des Global Village, bis er plötzlich aus allen Wolken fällt und im Rollstuhl landet. Seine Kreativität, seinen unbeugsamen Willen und auch seinen Humor hat er trotzdem nie verloren, mag dieser auch um einige Nuancen schwärzer geworden sein als er es ohnehin schon war ...
Schreibt Prosa und Lyrik, macht Hörfeatures und -spiele und ist Produzent der Hörbuch-Edition "Club der toten Dichter" sowie beim Grazer "Radio Helsinki".
Homepage des Autors: http://www.egon.klack.org/
Rezensionen
Dieser autobiographische Text beschreibt die spezifischen Lebensumstände eines Querschnittgelähmten zwischen Hoffnung, Wut und zeitweiliger Resignation. Der Autor präsentiert sich als kritischer Zeitzeuge, der mit prägnantem Stil politische, sozialpolitische und gesellschaftliche Mißstände aufzeigt. Es handelt sich also nicht bloß um eine Krankengeschichte, um einen Versuch persönlicher Vergangenheitsbewältigung, sondern durchaus um sozialkritische Gegenwartsliteratur.
Die stilistische Prägnanz findet ihren Niederschlag in weltanschaulichen Betrachtungen und Reflexionen, die eine starke Persönlichkeit mit einem ausgeprägten Bewußtsein und breit gefächerten Interessen erkennen lassen.Der Erzähl-Prozeß verläuft analog zum Entwicklungsprozeß, den der Erzähler über zahlreiche Stationen der Bewußtwerdung durchlebt. Die Erzähler-Perspektive bewegt sich dabei fließend zwischen den beiden Extremen der starken Ich-Beteiligung bzw. emotionalen Involviertheit und der distanzierten Nüchternheit eines unbeteiligten Beobachters.
Der Ich-Erzähler befindet sich ständig im Spannungsfeld zwischen körperlichen Defiziten und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Nach und nach wird bereits verloren geglaubtes Terrain zurückerobert. Der ungebrochene Wille zu einem sinnerfüllten Leben, der vielen Gesunden nur zu wünschen wäre, wird somit zum zentralen Thema einer solcherart praktizierten Gegenwartsprosa.
Dr. Günter Murgg
Lautlos nähert sich die Katastrophe. Wie eine Bombe schlägt der Unfall in das beschauliche Leben des Erzählers. Aus dem bis dahin aufrechten Gang wird ein Leben im Rollstuhl. Das Ausmaß des harmlos anmutenden Treppensturzes wird zu einem Horrortrip quer durch Kliniken und Krankenzimmer. Befürchtungen werden allmählich zur Gewißheit, leise Hoffnungen werden im harschen Wind einer langsamen Genesung zu schlimmen Ahnungen zerstäubt.Wie wird ein solchermaßen betroffener Mensch mit seinem Schicksal fertig? EgonTenert wandert tief in sein Inneres, hinterfragt, hadert, leidet, ist empört, muckt auf - jedoch klagt er niemanden an, fragt nicht nach der Schuld anderer, sondern lernt Annehmen und Loslassen.
Jetzt fällt ihm auf, in welch herrlichen Farben sein Leben früher leuchtete, welche Möglichkeiten ihm damals noch offengestanden wären. Noch riecht er die letzten Reste eines gesunden Menschseins. Doch diese neue, absurde Situation zeigt ihm: Das Leben ist stete Ungewißheit und tägliche Gefährdung. War dies einst eher eine philosophische Prämisse, so ist es jetzt Realität pur.
Langsam aber fallen auch wieder helle Strahlen in dieses Reich der Finsternis: Der Gelähmte beginnt "im Kopf zu gehen", sein Blick für die Dinge des Lebens wird schärfer und durchdringender. Es öffnet sich ihm eine neue Form der Spiritualität, die ihm zur Quelle neuer Hoffnung wird.
Was wichtig ist: Er hört nicht auf, sich um eine Verbesserung seines Zustandes zu bemühen. Er ringt um jede Muskelbewegung, um jedes Zucken seiner Nervenbahnen.
Es ist dieser Wandel in seinem Wesen, der anderen Betroffenen Mut machen kann und auch wird. Durch das Annehmen der neuen Lebenssituation werden ihm auch neue Erfahrungen zuteil: Daß nichts fix ist - und daß ihm auch trotz seiner Behinderung noch viele Türen offenstehen. Er müßte sie nur passieren. Zuerst im Kopf. So Gott will vielleicht eines Tages auch wieder mit den Füßen.
Die Botschaft lautet: Annehmen, Erwachen, Handeln!
Sepp Gaube, Bibliothekar & Autor
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