Heute, 11.10.2007, erhielt die 87-jährige, englische Schriftstellerin den Literatur-Nobelpreis. Sie war schon lange, wie manch andere, als "Favoritin" gehandelt worden. Am Besten im Rennen lag der amerikanische Autor Philip Roth. Doch das Stockholmer Kommittee sorgte wieder für eine Überraschung und blieb seiner ideologisch-politischen Wahlausrichtung treu.
In den allgemeinen Jubelchor mischen ganz wenige kritische Stimmen sich ein, unter anderem die von Marcel Reich-Ranicki, der schon früher die eigentümliche Vergabepolitik bemängelte (nicht zuletzt bei Frau Elfriede Jelinek).
Der Literatur-Nobelpreis scheint ja ein Preis nach sozial-politischen Aspekten geworden zu sein. Es verwundert geradezu, dass eine Nichtvergabe, z.B. an den favorisierten Philip Roth, nicht als Antisemitismus ausgelegt wird, zumal in Deutschland die jüdische Vertretung in der Regel überempfindlich gereizt reagiert (z.B. als Herr Dieter Graumann die kürzliche Aufführung der Pfitzner-Kantate als Naziprovokation denunzierte!).
Wird der Preis einem Mann, einem Macho zugewendet, schreien die Frauenvertreterinnen und Feministinnen auf. Wird er an eine Frau gegeben, mäkeln viele von Ideologie, politischer Korrektheit etc.
Eigentlich ist die Zeit für solche Preise vorbei, weil kein Auswahlkritierium plausibel nachvollziehbar scheint und die politische Korrektheit es nicht dulden will, dass ein Gremium schlussendlich willkürlich wählt und entscheidet.
Wir gratulieren herzlich!
Schnell geschaltet hat auch Le Monde Diplomatique, Deutschland, das gleich den Link auf einen archiverten Artikel von Doris Lessing aus dem Jahre 2003 an seine Leser verschickte, den wir hier weitergeben möchten:
ROBERT MUGABE UND DIE TRAGÖDIE SIMBABWES
Wenn sie so weit sind, dass sie uns lieben, werden wir sie hassen
ALS Simbabwe im April 1980 seine Unabhängigkeit erlangte, sagten Samora Machel und Julius Nyerere, die Präsidenten von Mosambik und Tansania, zu Präsident Mugabe: "Du hast das Juwel Afrikas in deinen Händen, gib gut darauf Acht." Heute liegt Simbabwe am Boden, seit Jahren hat sein Bruttosozialprodukt die höchste Schrumpfungsrate der Welt, die weißen Farmer, die die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sichergestellt haben, sind von ihren Farmen vertrieben worden, jetzt droht eine Hungersnot. Dreiundzwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit sind die Träume der Schwarzen endgültig perdu.
Von DORIS LESSING
Le Monde Diplomatique, deutsche Ausgabe, 15.8.2003
Siehe auch Wiki Deutschland
Vergleiche Wiki english
Nobelprize with links to press release, bio-bibliography and prize announcement
See also entry in The Guardian , London, with links to various articles on Doris Lessing
In der deutschen "Die Welt" wird im Beitrag "Mit der Nobelpreisträgerin allein zu Haus " (12.10.2007) eine Bildfolge mitgliefert mit vielen Fotos von ihr.
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