Haimo L. Handl zu neuen rassistischen Massnahmen der italienischen Regierung gegen die Roma. (3.7.2008 )
Der mutmassliche Verbrecher Berlusconi hat es geschafft, dass seine Parlamentsmehrheit Gesetze beschliesst, die ihn und seinesgleichen begünstigen und vor staatsanwaltlicher Verfolgung schützen. Der Rechtsstaat wird ausgehebelt, die EU schaut zu und sagt nichts, nicht einmal kritische Kommentare sind offiziell zu vernehmen.
Als vor acht Jahren in Österreich die blau-schwarze Koalition installiert wurde, gab es die beispiellosen Sanktionen. Belgien zog Schuleraustauschreisen zurück, weil es die seelische Gesundheit seiner Kinder im Naziland Österreich gefährdet sah. Jetzt, wo im Mai in Italien Pogrome gegen Roma erfolgten, Häuser brannten, Kinder, Frauen, Männer, Alte und Junge gejagt wurden, gibt es nur vergleichsweise schwache Kritik und wenig "Berichterstattung". Es gibt keinen Urlaubsboykott, weil die Pogrome keine Gefährdung darstellen. Weder für lautere Belgier noch andere politisch korrekte Demokraten in der Union.
In Europa führen Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Grabsteinen zu Staatskrisen, Brandlegungen an Türkenhäusern in Deutschland zu Krisensitzungen und Betroffenheitskampagnen. Auch wenn man über die Tauglichkeit einiger Reaktionen sinnieren mag: Es lässt niemanden mehr kalt. Wenigstens das ist erreicht. Nur bei den Roma, die offensichtlich für viele den letzten Rest darstellen, den Dreck, rührt sich fast nichts.
Im Gegenteil: die italienische Regierung bereitet mit Hilfe ihres Parlaments Gesetze vor bzw. hat sie bereits installiert, die an die Rasssengesetzgebung des Duce und der Nazis nahe ran kommen. Die italienische Polizei nimmt jetzt systematisch die Fingerabdrücke aller habhaft werdender Roma auf und plant die massenweise Abschiebung der "illegalen" Einwanderer. Es handelt sich um Rumänen, also EU-Bürger. Für sie gilt aber die Personenfreizügigkeit nicht. Sie werden gehasst, weil sie Nomaden seien, Unterschichtler, weil sie stehlen, wie man ihnen pauschal vorwirft. Sie seien kriminell und ein soziales Problem. Sie werden gejagt, wie man im Süden Hasen jagt.
Das in einem Land, welches wie kein anderes in Europa zutiefst staatlich kriminell ist, wo die Mafia als organisiertes Verbrechen in den Staat integriert ist, wo ein mutmasslicher Grossbetrüger und Verbrecher Regierungschef ist und wo andere dunkle Gestalten ihm die Stange halten und weitere kriminelle Machenschaften organisieren. Und wo eine satte Mehrheit den starken Mann will und die Zigeuner hasst.
Die EU findet ihre Grundsätze aber exekutiert und unterstützt damit die Hatz gegen die Roma. Im Jahr des "interkulturellen Dialogs", wo europäische Austauschprogramme in den Medien etwas Beachtung finden, werden Roma als Bodensatz getreten, geprügelt, vergewaltigt, verjagt. Morgen werden sie, wenn diese Art Politik weitergeht, ermordet. Wie früher.
Die Roma haben keine Lobby wie die Juden. Sie haben keinen starken Staat hinter sich, wie die Türken. Sie sind auf sich gestellt, verstreut über viele Länder Europas. Sie sind am Rand und werden herumgestossen, getrieben, vertrieben.
Während Beflissene und politisch Korrekte das Vertriebenenschicksal der von den Nazis als "ewige Wanderer" denunzierten Juden wach halten und nie vergessen, übersehen unsere Mehrheiten die erzwungenen "Wanderschaften" der Roma, die als Zigeuner nirgends wirklich Fuss fassen dürfen, die am Rand gehalten werden oder auf der Flucht. Den Roma geht es in vielen Ländern hundsmiserabel. Italien hat jetzt eine schlimme Vorreiterrolle im Rassismus und Faschismus übernommen. Das muss sofort gestoppt werden!
Was an Wahn muss in Italien noch geschehen, dass gegen diesen neuen Faschismus ernsthaft vorgegangen wird? Wann wird endlich politisch seitens der EU interveniert? Wenn die Pogrome anwachsen, die Zahl der Opfer steigt und deshalb das "Problem" endlich in die Hauptmedien gelangt?
Nachtrag:
Am 5.7.08 berichtet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:
Italiens Regierung verteidigt ihre Roma-Politik
Siehe auch einen früheren Beitrag in der NZZ vom 30.06.08:
Leben zwischen Abfallsäcken und Ratten . Die Situation in den Roma-Lagern in Italien spitzt sich zu.
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