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 Das türkische Militär will Krieg. Die türkische Regierung will Krieg. Ja, die meisten Türken selbst wollen Krieg. Endlich Krieg! Endlich Erfolg. Eine Endlösung des Kurdenproblems soll herbeigeführt werden.
Haimo L. Handl, 3.11.2007
Es sind nicht nur die Terrorakte in der Türkei, die der PKK zugeschrieben werden. Es ist die Chance für die Kurden, über die Erstarkung der kurdischen Provinz im Nordirak, die Frage einer Staatsgründung realistischer werden zu lassen. Das ist der eigentliche Grund, die eigentliche "Gefahr". Ein Kurdenstaat käme auch den anderen Ländern, in denen Kurden leben, ungelegen, was den Türken hilft, die Frage zur kriegerischen "Endlösung" zu machen.
Es gilt, die Kurden ein für allemal zu vernichten, das heisst so zu schwächen, dass eine Staatsgründung für immer unmöglich wird. Es wird sozusagen eine spezifische Nachkriegspolitik gemacht, die den Zweiten Weltkrieg fortsetzt, um "nötige" Korrekturen" im Sinne der bestehenden Nationalstaaten durchzuführen.
Bisher hat die "internationale Gemeinschaft" die Niederhaltung der Kurden und die Kriminalisierung der nach Selbstständigkeit trachtenden Kurden, unterstützt. Dass jetzt der angekündigte Krieg der Türken etwas auf Probleme stösst, ist mit der gegenwärtigen Kräfteverteilung, vor allem dem Kriegsengagement der USA und seiner Vasallen im Irak zuzuschreiben. Und der Stellung des Iran.
Würde die Logik der Kriminalisierung einer verständlichen Widerstandsbewegung auch auf andere ähnliche und gleiche Bewegungen übertragen, auch rückwirkend, historisch, müsste man viele Staatswerdungen nachträglich stornieren und deren Nationengebilde in einem Nachkrieg "korrigieren". Dies träfe, welche Ironie, vor allem auf Israel zu, das nur durch gezielten Terror und Landnahme sich bilden hatte können.
Es geht auch um eine Signalwirkung für andere "Konfliktherde", deren Autonomiebestrebungen oder Widerstände trotz dramatischer Kriminalisierung noch nicht eliminiert sind. Das betrifft unter anderem auch "Problemzonen" in Russland und angrenzenden Ländern.
Wenn die USA jetzt vor einem Krieg warnen, klingt das nicht nur unglaubwürdig, es überzeugt auch nicht. Die USA sind der intensivste Kriegstreiber und haben weitere Kriegspläne im Programm. Es geht nur um eine Störung ihrer Hegemonialpolitik. Die Ländern, auf deren Territorium Kurden leben, sind ebenfalls an einer "nachhaltigen" Lösung, am besten einer "Endlösung" interessiert. Das historische Beispiel Polen, das von Interessenten aufgeteilt worden war, drängt sich auf. Die Kurden sollen zwar als Kurden leben dürfen, nicht jedoch als Staat. Den will niemand, ausser einigen Kurden, die aber dazu alleine nicht in der Lage sind. Das rohstoffreiche Land soll als Kriegsbeute endlich aufgeteilt werden.
Erhält die Türkei "ihren" Anteil, erstarkt sie nicht nur weiter durch Ausschaltung des "Terrors", sondern durch Zugewinn von Rohstoff. Sie wird damit als möglicher Partner für die EU noch teurer. Die EU wird noch mehr Milliarden hinlegen müssen, um die Türken "hereinzuholen". Was der Union ungeheure Finanzprobleme schaffen wird, verspricht allerdings für die Hochfinanz ein fantastisches Geschäft. Und da Geschäfte unbedingten (dem Wortsinn nach wirklich "un-bedingten") Vorrang haben, geht es nicht darum, ob die Union "gewinnt", sondern ob die Hegemonialpolitik und weitere Profitsteigerung gewinnt. Also wird die EU mitmachen, auch wenn fürs gemeine Volk anders geredet werden wird. Schliesslich ist Krieg Geschäft und, eingedenk von Newspeak, Frieden.
Nachbemerkung: Die instrumentalisierte Vergesslichkeit arbeitet so gut wie ihr Gegenüber, die instrumentalisierte Erinnerung: wer weiss noch von den faschistischen Kampagnen, die die türkische Zyperninvasion vorbereiteten und begleiteten? Das Material liegt in Archiven, ist zugänglich, wird jedoch nicht genutzt. War einmal. Ähnliches trifft für andere "Aktionen" zu, die andere Staaten in junger Vergangenheit unternommen haben. Je nachdem, was opportun ist, holt man Dokumente hervor, die etwas belegen, was einem dienlich ist. Als Saddam Hussein der Feind geworden war, wollte man die Bilder, Filme und Texte aus der Zeit, als er gehätschelter "Geschäftspartner" war, nicht zeigen; sie erschienen auch nur in einigen Medien am Rande. Ähnliches gilt für die Machthaber, Regenten und Politiker in anderen Ländern der Krisenregion: Syrien, Israel, Iran, Russland usw.
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