|
Ein Beitrag zum aktiven Erinnern: Aktion "Steine der Erinnerung" für die Josefstadt!
Der Künstler Gunter Demnig hat das europaweite Projekt der "Stolpersteine" initiiert, dessen Ziel es ist, in Europa an die Opfer des NS Regimes zu erinnern. Vorbild unserer Aktion ist das Projekt der "Steine der Erinnerung" in der Wiener Leopoldstadt, das von Elisabeth Ben David-Hindler begleitet und umgesetzt wurde.
Dr. Irmtraut Karlsson und Mag. Manfred Kerry haben, beeinflusst von den Gesprächen mit Frau Dr. Elisabeth Ben David-Hindler und der Aktion im zweiten Bezirk, den Verein "Steine der Erinnerung an die Opfer des NS Regimes in der Josefstadt" gegründet.
Ziel dieses Vereines ist es bis zum November 2008 zwanzig Stationen in der Josefstadt zu einzurichten, die an Personen, die der Verfolgung und der Ermordung durch die nationalsozialistische Politik ausgesetzt waren, erinnern.
Wir wollen aber auch an verloren gegangene Institutionen erinnern, wie zum Beispiel der Synagoge in der Neudeggergasse oder dem zionistischen Verein am Bennoplatz.
Warum diese Form des Erinnerns
Bewegt hat uns vor allem der Umgang mit der Geschichte des Bezirkes und der Stadt. Die Steine, die eigentlich Metallplatten sind, nehmen nur wenig Raum ein, sind im Alltag nur für jene bemerkbar, die sich näher mit dem Text auseinandersetzen wollen. Wer den Text lesen will, muss sich vor dem Andenken an die Person verneigen.
Die Steine erinnern nicht nur an große KünstlerInnen, sondern auch an Personen, an die sich niemand mehr erinnert. In manchen Fällen stiften aber auch Bekannte oder Verwandte diese Steine, um den letzten Wohnort geliebter Personen zu festzumachen.
Wir beabsichtigen die Verfassung einer entsprechend aufgearbeiteten Broschüre, die neben den Daten der Personen auch die Hintergründe der Vertreibung und Vernichtung ausleuchten.
Selbstverständlich wollen wir die geplante Eröffnung mit einem Rundgang begleiten. Diese Rundgänge werden auch in Zukunft von uns angeboten werden.
Finanzierung des Projektes
Wir hoffen auf der einen Seite auf die Unterstützung durch öffentliche Gelder, so hat die Stadt Wien und der Nationalfonds der Republik Österreich die Bereitschaft erkennen lassen, uns zu unterstützen.
Wir hoffen aber auch auf die Hilfe von privaten Spendern und Paten. Besonders freuen wir uns über die Zusage des Theaters in der Josefstadt, das sich auch künstlerisch im Jahr 2008 mit der Vergangenheit auseinandersetzen wird. So plant das Theater die Uraufführung des Stückes "Moser" von Franzobel, das sich mit der Beziehung von Hans Moser und seiner jüdischen Frau Blanca Hirschler auseinandersetzt.
Direktor Föttinger selbst hat in seiner Eröffnungsrede am 20. Oktober über den Mut einer Direktion, die sich nicht gänzlich der NS-Propaganda verschrieben hat, aber auch sehr ausführlich und engagiert über die "braunen Flecken" gesprochen.
Besonders danken möchten wir dem engagierten Autor und auch Moderator der Zeitzeugenreihe Hans-Henning Scharsach, der sich uns ebenfalls als Pate zur Verfügung gestellt hat.
Wir hoffen, dass sich viele dem Beispiel dieser beiden Paten anschliessen und das Projekt unterstützen.
Standorte
Die folgende Übersicht soll nur einen groben Überblick über geplante Fixpunkte geben:
- Landesgericht für Strafsachen Wien, Landesgerichtsstraße 11, 1082 Wien.
Zur Erinnerung an rund 1 200 Menschen, die aus unterschiedlichsten Motiven hingerichtet wurden.
- Neudeggergasse 12, Synagoge Neudeggergasse.
Die von Max Fleischer erbaute Synagoge wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November von den beiden SS Standarten 11 und 89 zerstört.
- Theater in der Josefstadt, Josefstädterstraße 26, 1080 Wien
Aus der Eröffnungsrede von Direktor Herbert Föttinger, 20.10.2007:
"Schon am 12. März 1938, am Tage des Anschlusses, betraten die Schauspieler und NS-Parteimitglieder Erik Frey und Robert Horky unaufgefordert das Zimmer des damals amtierenden Direktors Ernst Lothar. Lothar erinnert sich:
"Sie gaben sich als Vertreter der nationalsozialistischen Zelle meines Theaters zu erkennen und wünschten ... die weitere Geschäftsführung mit mir zu besprechen. Es werde mir klar sein ... dass die als nächste Premiere geplante Uraufführung von Zuckmayers "Bellmann" untragbar sei. Des Autors teilweise jüdische Abstammung .... da unterbrach ich sie mit dem Hinweis auf meine eigene ungeteilte und meinem Entschluss, die Direktion mit dem heutigen Tag niederzulegen."
Lothar und seine Frau Adrienne Gessner emigrierten nach Frankreich, später in die USA. Am 12. März meldeten österreichische Zeitungen, auch in der Josefstadt wehe nun ein "neuer Wind", auf Wunsch der Schauspieler würden Frey und Horky ihre Vertretung übernehmen. Am selben Tag traten Hans Jaray und Lili Darvas zum letzten Mal vor ihrer Emigration in der Josefstadt auf.
In der Folge verließen Karl Paryla und Hortense Raky, Max Reinhardts Frau Helene Thimig, Albert und Else Bassermann, Maria Bard, Oscar Karlweis, Fritz Delius, Rosa Valetti, Ludwig Stössl und Ernst Deutsch die Josefstadt. Regisseur Paul Kalbeck wurde entlassen und emigrierte 1939 in die Schweiz.
Am 18. Mai 1938, nur wenige Wochen nach dem Anschluss, schrieb der Interimsdirektor und Parteigenosse Robert Valberg an den Reichsstatthalter Seiss-Inquart, dass die Josefstadt nunmehr "judenfrei" sei:
"Eure Exzellenz ... meine ersten Anordnungen betrafen die Entfernung der dort beschäftigten Nichtarier. Im Betriebe verblieben die Parteigenossen Josefine Holman, Robert Horky und Erik Frey, sowie die arischen Künstler ... Heil Hitler."
- Sanatorium Fürth, Schmidgasse 14, 1080 Wien
Ein Haus das viel Geschichte zu bieten hat und dessen Geschichte fast ein Spiegelbild der österreichischen Geschichte ist:
Das Haus war um 1900 von der jüdischen Industriellenfamilie Fürth als Sanatorium betrieben worden. Kurz nach dem Einmarsch nahmen sich Lothar und Susanne Fürth das Leben. Während des III. Reichs wurde das Sanatorium zunächst für Parteibonzen genützt, später als Lazarett.
Die Republik eignete sich das Gebäude ohne viel nachzudenken an und stellte es der Botschaft der USA zur Verfügung.
Ein durchaus bedenklicher und sorgloser Umgang mit der Geschichte.
- Hugo Bettauer, Lange Gasse 5-7, 1080 Wien
Der bekannte Schriftsteller, Journalist und Zeitungsherausgeber erlag am 26.3.1925 einem rassistisch motivierten Attentat. Alleine die Tatsache seiner Ermordung durch einen nationalsozialistischen Attentäter zeigt schon dreizehn Jahre vor dem Einmarsch, wie hoch die Gewaltbereitschaft war.
Sophie Janda, geboren am 15.10.1893, deportiert nach Theresienstadt, verstorben in Auschwitz (Datum unbekannt).
Über Sie können wir nicht viel berichten, außer, dass Frau Janda im Sudetenland geboren wurde, einen katholischen Ehemann hatte. Ihre nach England verschickte und heute noch lebende Tochter möchte mit dieser Tafel an Ihre Mutter, einer Frau, die sie selbst kaum kannte und von der Sie nicht mehr weiss, als, dass sie in der Lerchenfelderstraße 124 lebte, einen Stein der Erinnerung setzen.
Kontaktaufnahme:
Mag. Manfred Kerry
Tel. 0664 505 32 40
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Spenden:
Steine der Erinnerung an die Opfer des NS Regimes,
Bank Austria, BLZ: 12 000,
50166 017 738
Patenschaften: 120,- für Personen, 400,- für Institutionen
|