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Hat Österreichs kath. Kirche die Ungeborenen im Stich gelassen? PDF Drucken E-Mail

thumb_kirchmairKommentar von DI. Andreas Kirchmair, selbständiger Unternehmensberater und ehrenamtl. Vorsitzender des Diözesankomitees Kath. Organisationen Steiermarks

 

Die kath. Bischöfe halten derzeit ihre Frühlingskonferenz am Sonntagberg in NÖ ab, auch der Lebensschutz steht auf der Tagesordnung. Dieses Thema ist für Österreichs Kirche lebenswichtig, denn viele Menschen fragen: Was haben die Kirche und ihre Hirten in den letzten 30 Jahren unternommen, als jedes 2. bis 3. Kind vor seiner Geburt getötet wurde ?
*   Warum hat es so wenig WIDERSTAND gegeben ? Wurden Priester je bedroht, angeklagt oder eingesperrt, weil sie ungeborene Kinder oder schwangere Mütter schützen wollten ?
*   Warum distanzieren sich kirchl. Entscheidungsträger von LEBENSSCHÜTZERN, die öffentlich das Lebensrecht Ungeborener verteidigen ?
*   Warum wird mit der FRISTENREGELUNG oft ein Gesetz verteidigt, das im klaren Widerspruch zur Lehre der Kirche steht ?
*   Warum wird das "EVANGELIUM VITAE" von Papst Johannes Paul II nicht konkret umgesetzt mit seiner Vision einer Kultur des Lebens und seiner strikten Ablehnung der Abtreibung als Tiefpunkt einer Todeskultur ?
*   Warum hat unsere Kirche kein breites SEELSORGLICHES ANGEBOT für hunderttausende an Abtreibung Ungeborener schuldig gewordene Menschen und einer ganzen Gesellschaft ?
*   Warum wird akzeptiert, daß getötete Kinder als Sondermüll beseitigt werden, statt sie zumindest zu BEGRABEN (wie gefallene Soldaten) ?
*   Warum war die Kirche früher so hart zu LEDIGEN MÜTTERN und unehelichen Kindern ? Warum wird nicht die Mitverantwortung der VÄTER der getöteten Kinder eingefordert ?
*   Warum hören so viele Gläubige in Predigten so selten ein Wort über Abtreibung oder Lebensschutz ? Warum wird im UREIGENSTEN BEREICH, in den Pfarren, kath. Aktionen und Organisationen so wenig getan, um das Bewußtsein zu verändern ?

Weil Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, ist auch die kath. Kirche (mit Ausnahmen, die oft Unglaubliches leisten) ein Teil der Schweigemauer in unserem Land geworden. Beim Lebensschutz Ungeborener hat sie heute praktisch keine gesellschaftspolitische Relevanz mehr. Wenn die Hirten bei der Abtreibung ängstlich auftreten und sich in der öffentlichen Wahrnehmung "arrangiert haben", tragen sie da nicht eine schwere Mitverantwortung an dieser Tragödie historischen Ausmaßes ? Wenn die Katholiken die stummen Schreie der zahllosen getöteten Kinder nicht wahrnehmen und kein Herz haben für das (manchmal späte) Leid der betroffenen Eltern, müssen sich jene da nicht völlig im Stich gelassen fühlen ?

Eine Neureihung der pastoralen Prioritäten der Kirche ist dringend erforderlich, verbunden mit der Frage, welche Aufgaben wirklich brennender sind als der Lebensschutz. Was ist wirklich wichtiger als mitzuweinen und mitzutrauern mit den Angehörigen und was ist wirklich wichtiger als alles daran zu setzen, zukünftig die Tötung von über 60.000 ungeborenen Kindern/ Jahr zu verhindern.

Eine glaubwürdige Reue und Umkehr der Kirche (die auch die meine ist) könnte heute vielen Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen ein Beispiel geben. Eine geläuterte Kirche könnte morgen der stärkste Motor für eine Umkehr zu einer echten "Kultur des Lebens" in Österreich sein - denn Kinder sind DIE Hoffnungsträger der Gesellschaft !

Gastkommentar,  Die Presse, Wien, 13.3.2006

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