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Der alte Churchill war ein Engländer, der noch überzeugt sein durfte, dass nicht der Geheimdienst oder Scotland Yard vor der Tür stünde, wenn's frühmorgens klopft oder klingelt. Aber auch wenn Bullen davor gestanden wären, auch sie hätten immerhin geläutet. Das vor vielen, vielen Jahren.
Heute, wo Österreich nach Habsburgerregime, Austrofaschismus und Hitlernazi-Ostmarkpolitik und Besatzungskorrekturlernzeit eine intakte Demokratie zu sein vorgibt, ist es schlimmer als zu Churchills Zeiten: die Bullen klingeln nicht mehr, sondern brechen gleich die Türen auf, stürmen maskiert, wie Verbrecher, in die Zimmer, bedrohen mit Waffen Personen, die für sie als Verdächtige nur Gefährliche sind und rechtfertigen alles durch nebulose, intentiert "weich" formulierte Gesetzestexte, die das Parlament als Büttel und formelle Absegnungsmaschinerie der Exekutive bestätigt hat, weshalb die polizeiliche Exekutive exekutieren kann, wie es ihr passt.
Als in den frühen Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts die bundesdeutsche Polizei die SPIEGEL-Redaktionsräume stürmte, brach ein landesweiter Protest los, nicht nur unter Linken (damals war noch ein Unterschied gegeben). Der Historiker Sebastian Haffner schrieb in der Süddeutschen Zeitung in seinem Artikel "RÜCKFALL IN SCHRECKEN UND WILLKÜR , der im SPIEGEL 46/1962 vom 14.11.1962, Seite 53, übernommen wurde:
"Das Gesamtergebnis ist, daß die Bundesrepublik Deutschland in diesem Augenblick nicht mehr zu den Staaten gehört, in denen der Bürger sagen kann, er wisse, wenn es nachts unvermutet an der Tür klopft, daß es der Milchmann ist."
So ist das mit dem Milchmann. Es gibt ihn nicht mehr. Aber wir brauchen um kein Ersatzsprichwort suchen, denn es gibt auch keine Sicherheit mehr, dass jemand Freundlicher früh klopfe. Es klopft niemand mehr. Es wird gleich auf- und eingebrochen. Es wird gestürmt. Wir haben Stürmer-Zeiten!
(Und wer hat schon eine Panzerglastür in einer extrem belastungsstarken Türzarge? Andererseits könnte das selbstmörderisch sein, weil die Polizeiterroristen dann zu ihren anderen, noch wirkungsvolleren Werkzeugen greifen, z.B. Sprengmaterial, das heute kleiner und feiner und wirksamer ist, als ehemals die Bazookas gegen Tanks...)
Weiterdenkende, nicht unbedingt identisch mit Querdenkenden, schon gar nicht mit Kurzdenkenden, sinnieren über den unermesslichen Schaden durch die Re-Etablierung von Angst, Furcht, Horror und Misstrauen gegen den Staat und seine Einrichtungen. Das betrifft nicht nur den Milchmann. Es betrifft die Rechtsstaatlichkeit. Die Rechtssicherheit. Den Schutz vor Willkür, Die Selbstverständlichkeit von Verhältnismässigkeit in der Wahl der Mittel. Usw. usf.
Da helfen keine Werbekampagnen, keine Trost-Tanten und Onkelchen und Blödquatscher in Verblödungs-TV-Talkshows (the talk is shwon because nothing of substance is talked, nothing can be heared ...). Die Praxis straft jedes Propagandawort der Regierung und ihrer Schergen Lüge.
Zwar bemühen sich einige der professionellen Massenmedien, die sonst nur gefiltert, wenn überhaupt, über solche Themen oder Vorfälle schreiben, zu "berichten". Aber es bleiben meist dürre Worte oder Fotos, die wenig aussagefähig sind. Die Filme, die bisher aufregten, waren immer Zufallsprodukte. Aber sogar dann, wenn übers zufällige Video "bewiesen" werden kann, welche kriminellen Taten Kriminalisten, Notärzte, Rot-Kreuz-Helfer und andere Öffentliche-Akte-Setzende begehen, folgt nichts draus. Oder habe ich einen Prozess übersehen, in welchem ein Folterer, ein Prügelpolizist, ein Polizeieinbrecher oder kriminalpolizeilicher Drogendealer oder Pimp verhaftet, vor Gericht gestellt und, schuldig gesprochen, in eine Strafanstalt überstellt worden wäre?
Das unterentwickelte Sprachvermögen der meist niedrig gebildeten Bevölkerung ist nicht in der Lage, abweichende oder konträre Denkbilder und Begriffe zu erfassen. "Prügelknabe", z.B., kann "aktiv" und "passiv" korrekt verstanden werden: die Person, die prügelt. Andererseits kann es die geprügelte Person sein. "Knabe" denotiert hier nicht unbedingt "Person männlichen Geschlechts in jugendlichem Alter", sondern wird metaforisch verstanden: Person, die Prügel einstecken musste oder die für gewöhnlich Prügel einsteckt. In unseren modernen Zeiten erkennt die Strafverfolgungsbehörde die Perfidie vieler krimineller Elemente, die sich als "Opfer" ausgeben, obwohl sie aktive Prügelknaben sind. Das Opfer als Täter! Die gemeinste Art, die ehrenvolle Arbeit der ehrenhaften Polizei zu denunzieren. Deshalb trainieren die Polizisten, wie sie nach aktiver Prügelknabenarbeit auch aussehen, wie die passiven Prügelknaben. Es gelingt immer besser. Und lässt sich, da telegener, noch besser verkaufen.
Abstracta sagen ihnen wenig und können nicht "übersetzt" werden. So bedeuten dann Schlüsselbegriffe eines republikanischen, demokratischen Rechtsstaates einfach nichts mehr, bleiben Hülsen, Klischees.
Die tägliche Medienwäsche mit US-Serien über erfolgreiche Polizeiarbeit, Überwachung und Kontrolle, der Kotau vor der hochentwickelten Spezialtechnik, hilft, die realistische Einschätzung der Nebenwirkungen zu übersehen. Viele Junge begeilen sich derart an der Polizeiarbeit, wie sie in tausenden Serien vorgespielt wird, dass sie Medienberichten über Polizeiterror, die manchmal erscheinen, misstrauen bzw. die Ernsthaftigkeit und negative Nachhaltigkeit nicht erkennen. Der Mythos der positiven Polizei, der Eliteeinrichtung ist so tief, dass nur unkritisches Anerkennen folgt. Das erweitert das Feld der Polizei enorm: sie kann wirklich tun, was sie will. Die wenigen Kritiker werden politisch, und wenn das nicht hilft, wirtschaftlich bzw. sozial rufgemordet und "liquidiert". Wenn das auch nicht mehr reicht, wird real liquidiert. In einigen europäischen Ländern ist das schon Alltag (nicht nur Russland!).
Die gegenwärtige Politik Österreichs bereitet solcher Willkürherrschaft den Weg.
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