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Wien: Eilige Zwangsübersiedlung von Flüchtlingen PDF Drucken E-Mail

wienEilige Zwangsübersiedlung von Flüchtlingen aus der Gänsbachergasse und Protest dagegen

FSW schiebt Flüchtlinge wie Marionetten herum, sagen die einen, Verbesserungen sagt "wieder wohnen" von FSW. Man redet nicht nur aneinander vorbei.

Eine Sozialarbeiterin hat uns nachstehenden Artikel, der von uns um die Informationen zum FSW und "wieder wohnen" ergänzt wurde, zugesandt und gebeten, anonym bleiben zu dürfen, weil sie Repressalien befürchtet und ihre Arbeit im Nahefeld nicht gefährden möchte.  

 

Meldung 1:
FSW-Notquartier in Gänsbachergasse wird geschlossen
Utl.: Substanzielle Verbesserung für die KlientInnen

Wien (OTS) - Ein Notquartier des Fonds Soziales Wien für KlientInnen der Grundversorgung in der Gänsbachergasse im drittenWiener Gemeindebezirk wird geschlossen. Das Quartier, das vom Wiener Roten Kreuz betreut wird, wurde seit 2003 als Notquartier geführt. Da es jetzt gelungen ist, in den regulären Quartieren für GrundversorgungsklientInnen ausreichend Kapazitäten für die derzeit130 BewohnerInnen zu schaffen, kann der Standort nun in den nächsten 14 Tagen geschlossen werden. Die KlientInnen übersiedeln in den nächsten Tagen. Das bedeute eine substanzielle Verbesserung für die Betroffenen, informierte der Fonds Soziales Wien am Donnerstag. Die Zahl der KlientInnen der Grundversorgung in Wien hat sich seit 2005 von rund 9.500 auf 6.300 reduziert.

Meldung 2:
Wien, 24.10.2007 Morgen findet in der Gänsbachergasse 3 eine Protestaktion der BewohnerInnen des Roten-Kreuz-Hauses statt.

Dieses Haus wird von ca. 130 AsylwerberInnen und anerkannten Flüchtlingen bewohnt. Da sich das Gebäude in einem recht schlechten Zustand befand, haben die BewohnerInnen selbst die Initiative ergriffen und ihre Wohnungen instand gesetzt.
 
Jetzt will der FSW (Fonds Soziales Wien) diese Menschen, die aus einem Leben voller Ungewissheit, vor Krieg, Bombardements und Folterungen geflüchtet sind und nichts mehr brauchen als Sicherheit, völlig überraschend in irgendwelchen anderen Einrichtungen unterbringen, die sich an einem beliebigen Ort befinden können.
 
Diese Menschen haben Kinder, die im 10. Bezirk die Schule besuchen, sie gehen hier in Deutschkurse, die anerkannten Flüchtlinge versuchen hier eine Arbeit zu finden.
 
Mit einer Verlegung an einen neuen Ort würden ihre elementaren sozialen Kontakte abreißen, weswegen die BewohnerInnen geschlossen gegen die Zwangsüberübersiedlung protestieren.
 
Flüchtlinge sind keine Marionetten, die beliebig verschoben werden können!
 
Deshalb sind Unterstützung und Solidarität bei dem morgen stattfindenden Gespräch mit dem FSW willkommen und erwünscht.



Zwei Meldungen zu einem Ereignis, die nicht zusammenzupassen scheinen. Die eine wurde vom FSW unmittelbar nach der Protestversammlung veröffentlicht, die andere gibt den Standpunkt der BewohnerInnen vor dem Gespräch wider.

Fakt ist, dass der FSW die BewohnerInnen der Gänsbachergasse - etwa 130 AsylwerberInnen, subsidiär Schutzberechtigte und anerkannte Flüchtlinge - gerade einmal drei Tage (am 25. Oktober, also vor einem verlängerten Wochenende) vor Beginn der Zwangsverlegung in andere Unterkünfte (hauptsächlich in die dünnwandige Unterkunft des Arbeitersamariterbunds am Winkeläckerweg im 21. Bezirk und in die ganz gewiss besser ausstattbare Kolping-Pension in der Sonnwendgasse im 10. Bezirk) über diese Übersiedlung in Kenntnis setzte.

Die Zwangsübersiedlung findet am 28., 29. und 30. Oktober statt.

Fakt ist weiterhin, dass das vom Roten Kreuz betriebene Haus Jupiter von den BewohnerInnen mit Unterstützung der Leitung in Eigenregie renoviert und liebevoll ausgestattet wurde.
Auch der Betreiber Rotes Kreuz zeigt sich nicht wirklich glücklich mit dem unerwarteten Übersiedlungszeitpunkt, da er jedoch im Flüchtlingsbereich über den FSW finanziert wird, kann er sein Unglücklich-Sein nur verklausuliert zum Ausdruck bringen.

Die für den Bereich Unterbringung von Flüchtlingen zuständige FSW-Frau sagte, der feuerpolizeiliche Standard sei im Haus Jupiter in der Gänsbachergasse 3 in keiner Weise gewahrt und eine Renovierung komme zu teuer, weswegen es geschlossen werden müsse.
Sie ging jedoch bei einem von den Flüchtlingen geforderten Treffen mit ihr in keiner Weise auf die vorgebrachten Fragen ein:
Warum diese neuerliche Übersiedlung gerade jetzt und in einem derartigen Eiltempo durchgeführt werden müsse, das Haus werde ja nach FSW-Angaben erst im März 2008 abgerissen, warum die Übersiedlung nicht während der Sommerferien stattgefunden habe, als die ohnedies traumatisierten Kinder, die sich noch schwerer als österreichische Kinder an neue Gemeinschaften gewöhnen, noch in den Ferien waren, sondern jetzt, zwei Monate nach Schulbeginn.

Den BewohnerInnen der Gänsbachergasse steht ja nicht der erste Umzug bevor, alle sind nolens volens in den Jahren des Wartens auf einen Bescheid zu ihrem Asylantrag durch eine ganze Reihe von Pensionen gezogen (worden).
Ins Auge fällt, dass es in der Gänsbachergasse durch gemeinsame Bemühungen von Leitung und BewohnerInnen möglich war, ein Klima zu schaffen, in dem sich alle HeimbewohnerInnen als große Familie fühlen, die üblichen Spannungen zwischen unterschiedlichen Nationalitäten sind nicht vorhanden, es herrscht ein großes Vertrauen in die Leitung, die ja ebenfalls mit der Heimschließung auf der Straße steht und nicht weiß, wie es beruflich weitergehen soll.
Könnte es sein, dass gerade dieses vertrauensvolle Klima ebenfalls für die Schließung des Heims relevant ist?

Ins Auge fällt auch, dass die FSW-Dame sich erst nach Rückfrage der BewohnerInnen mit Namen und Funktion vorstellte, dass keine Dolmetschung des Gesprächs vorgesehen war, dass Presse ausdrücklich nicht erwünscht war, dass bei Weigerung in die neuen Unterkünfte zu ziehen, Polizeieinsatz, Streichung aller Grundversorgungsmittel und Ausschluss aus den FSW-Leistungen angekündigt wurden.

Ist dies wirklich der bessere Umgang mit Flüchtlingen, den das sozialdemokratisch regierte Wien immer für sich beansprucht?
Bedeutet die Übersiedlung wirklich eine Verbesserung der Lebensqualität?
Bedeutet der Umzug wirklich, dass man sich um die BewohnerInnen sorgt?
Fragen, auf die keine Antwort gegeben wurde.

In der Gänsbachergasse blieben fassungslose Menschen mit dem Gefühl zurück, im sozialdemokratisch regierten Wien und im demokratischen Österreich völlig rechtlos der Willkür einer mächtigen Organisation ausgeliefert zu sein.

 


Am 10. Septemer 2007 konnte man noch in der Homepage des FSW lesen:

 

Eine Kräuterspirale für die Gänsbachergasse

Montag, 10. Sep. 2007

Engagierte BetreuerInnen und BewohnerInnen des Hauses Gänsbachergasse ("wieder wohnen" GmbH) haben im Garten des Übergangswohnhauses eine Kräuterspirale angelegt. Diese hat auch den Zusammenhalt der BewohnerInnen gefördert.



Die Idee eines Gartengestalters, gemeinsam mit den BewohnerInnen eine Kräuterspirale anzulegen, wurde sowohl von den BetreuerInnen als auch den vielen BewohnerInnen des Hauses Gänsbachergasse sofort begeistert aufgenommen. Mitte August startete die Umsetzung:
 
Pflanzensetzlinge, Samen, Natursteine, Schotter, Solarleuchten etc. wurden gemeinsam mit den BewohnerInnen besorgt, die sich  beim Aufbau der Kräuterspirale, beim Bepflanzen und Pflegen als sehr geschickt und eifrig zeigten und voller Begeisterung dabei waren. Ein Bewohner des Hauses sorgte täglich für das leibliche Wohl der Projektgruppe, was diese zusätzlich motivierte und stärkte. Die gute Ernte ist der beste Beweis dafür!
 
Die gemeinsame Arbeit an der Kräuterspirale hat zum einen den Zusammenhalt unter den BewohnerInnen und die Gemeinschaft mit den BetreuerInnen gefördert. Zum anderen können nun alle täglich frische Kräuter genießen und haben so auch etwas für die Gesundheit getan.

http://pflege.fsw.at/aktuelles/2007.09.10_kraeuterspirale


"wieder wohnen"

„wieder wohnen“ – Betreute Unterkünfte für wohnungslose Menschen gemeinnützige GmbH ist eine 100%ige Tochter des Fonds Soziales Wien und betreibt 5 Häuser für Wohnungslose sowie das Tageszentrum Josefstädter Straße. Die Zuweisung erfolgt durch das P7 - Wiener Service für Wohnungslose, die Gruft und Josi -Tageszentrum für Obdachlose.

Haus Gänsbachergasse

Gänsbachergasse 7, 1030 Wien

Tel.: 798 15 65 | Fax: 798 15 65 - 59 199

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  • 270 Übergangswohnplätze für Männer, Frauen und Paare in Einzel- bzw. Paarzimmern

  • 19 Nächtigerinnenbetten für Frauen

 

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