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Die inhumanen, intoleranten Islamisten PDF Drucken E-Mail

Islamisten, Kritiker und der Rest der Welt. Zur Klärung einiger Unklarheiten.
Haimo L. Handl, 8.3.2007

So ein Titel, als Schlagzeile, erschlägt leicht und wird falsch, gerade weil er wahr ist. Die orthodoxen und fundamentalistischen Kreise in den islamischen Gesellschaften sind überaus stark. Sie repräsentieren zwar nicht "den" Islam, aber sie bestimmen in den meisten islamischen Ländern die Politik, den Alltag - und das heisst, die intolerante, bornierte, verbissene Jagd auf Andersdenkende, auf Abweichler, Kritiker, Abtrünnige, Ungläubige.

Politisch ist das oft ein Eiertanz auf Glatteis. Während ich z.B. politisch auch fundamentalistische Regime theoretisch und verbal unterstütze im Krieg gegen Israel oder die USA bzw. die Kriege der beiden Kriegsländer Israel und USA verurteile, weil auch Fundamentalismus keine annehmbare Bgründung für Krieg hergibt, versuche ich gleichzeitig jene Stimmen zu unterstützen, die ohne Krieg, durch Aufklärung, eine Änderung der unhaltbaren Zustände in ihren Ländern erreichen wollen.

Das ist vielleicht naiv, aber unabdingbar, will man Politik nicht einfach auf das Faustrecht oder die triviale Erkenntnis reduzieren: wer Macht hat, hat Recht.

Meine Abscheu gegen Fundamentalisten, Menschenrechtsverletzer, Intolerante, faschistoide Barbaren ist eine, meine Verurteilung von Kriegen, die auf andere, "moderne" Weise barbarisch sind, eine andere.

Es lässt sich die Welt nicht manichäisch in "gut" und "böse" teilen. Die Kritik an den Fundamentalisten, den Mullahs oder orthodoxen Scharfmachern ist keine am "Islam" per se (was wäre das eigentlich?), sondern eine, die jederzeit jederorts angebracht wird, wo sie nötig scheint (und früher war sie nötig gegen die katholische Kirche, die jetzt, wo sie nicht mehr die Macht hat, in der sie einstens wütete, kein solcher Feind mehr ist).

Gerade das einseitige, fixierte Festhalten an Mythen verbürgt ja eine ahistorische Haltung, die schnöde verwendet und dabei missbraucht wird: weil die Hälfte der Juden im Holocaust vernichtet wurde, scheinen die meisten Nachfahren der Überlebenden sich davon ein Recht abzuleiten für Krieg und Rechtsbruch. Das ist pervers.

Weil die Vereinigten Staaten einst gegen das Hitlerregime kämpften, meinen viele, auf Dauer dankbar und unterwürfig sein zu müssen. Halten immer noch den Mythos der freiheitsliebenden Amerikaner wach und übersehen die barbarische, menschenrechtsverletzende Kriegerei dieses zwar nicht diktatorischen, aber doch undemokratischen, kriegerischen Staates. Das ist pervers.

Leute, die stolz auf ihre Kritik an christlichen Kirchen sind, ducken sich feige vor islamischen Ansprüchen und Auswüchsen, nur, weil sie keine Werte mehr haben, die sie zu vertreten gewillt sind, weil sie gefangen sind in einem nebulosem Gleichheitsdenken, das, in einer beispiellosen Relativierung "Kultur" fetischisiert, dass schier alles darin aufgehoben und gerechtfertigt wird. Solche Dummköpfe legitimieren Ausbeutung und Niederhaltung, Folter und Mord unter Hinweis auf ihren Respekt anderer Kulturen.

Mit solch einem Denken hätte man die Nazis und die Stalinisten nie kritisieren und bekämpfen können, weil, natürlich kultürlich, auch diese Gesellschaften "Kultur" hatten. Worin unterscheidet sich denn der arische Anspruch vom Herrenmenschen gegenüber dem Untermenschen von den Ansprüchen der klassenkämpferischen Tugendterroristen stalinistische Prägung und jetzt der heilsbringenden, religiösen Eiferer? Doch nur unwesentlich. Für die Opfer, die "dran kommen", ist es kein Trost, dass der einen Barbarei ein Rassismus zugrunde lag, der andern ein Klassenkampfmodell und der nächsten eine (nach unsern Begriffen pervers falsch verstandene) Religion. Das ist purer Zynismus und dumme Feigheit.

Während ich also die Taliban verachte und verurteile, sehe ich den Afghanistankrieg, den die Amerikaner mit alliierter Kollaboration führten und führen nicht gerechtfertigt. Während ich den Iran gegen die Kriegsandrohung der USA verteidige, hoffe ich, dass die auf Änderung gerichteten Kräfte erstarken und dieses Regime zur Ablösung bringen. Gleiches gilt für jene Teile der islamischen Welt, die in bornierter, intoleranter Ausrichtung sich zu simpel in einer Hasskultur einrichtet.

Und das Gleich gilt für die Vereinfacher im "Westen", vor allem in den USA und Israel. Wenn also von der Uno verlangt wird, dass der Iran sein Atomprogramm beende oder stark der Prüfung zugänglich mache, so fordere ich, dass die gleiche Logik, das gleiche Recht im Falle Israel zur Anwendung gelangt. Israel, der Staat, der ungestraft die meisten UNO-Resolutionen bricht oder nicht einmal zur Kenntnis nimmt, während andere Staaten bei geringeren Anlässen schon zum Kriegsziel werden. Das ist pervers. Das ist zynisch. Das führt zu weiteren Kriegen.

Trotzdem, die Kritik an den Jägern, Hetzern, Mördern darf nicht ungleich ausgesucht, einseitig sein. Deshalb müssen die fundamentalistischen Islamisten scharf kritisiert und zurückgewiesen werden.

thumb_nawal_as_saadawi Jetzt gibt eine bekannte Frauenrechtlerin und unerschrockene Autorin, die Ägypterin Nawal El-Saadawi auf und verlässt ihr Land. Die Morddrohungen gegen sie wurden stärker.

In vielen Ländern, mit denen der "freie Westen" beste Geschäftsbeziehungen unterhält, werden kritische Personen gejagt, eingeschüchtert oder einfach ermordet. Und viele scheuen sich kritisch zu äussern, als ob das eine unlautere Einmischung in "innere Angelegenheiten" wäre oder eine westliche Anmassung gegenüber der islamischen Kultur.

Manchmal wünschte ich, man könnte solche Schleimer und Feiglinge, Anbiederer, Quislinge und Mittäter einfach in solche Gesellschaften stecken, damit sie dort "praktisch" erleben, was es heisst, seine Gedanken nicht äussern zu dürfen, wenn sie nicht der Herrschaftsschicht entsprechen, was es heisst, sich nicht kleiden zu dürfen, wie es einer beliebt, schlicht, nicht einfach "verkehren" zu dürfen, sondern aus- und eingerichtet zu leben wie zu Zeiten der Inquisition, wo schon ein schiefer Blick Beleg für Hexerei war, die zur Folter und zum Tode führte. Würden sie, falls sie wieder heil raus kämen, das Kopftuch, den Schleicher, die Burka verteidigen? Würden sie die Jagden gutheissen? Die Niederstellung der Frau? Die Zwangsverheiratung, die Bruderherrschaft, das Patriarchat in seinen atavistischen bösen Ausformungen?

Das alles heisst ja nicht, dass im ach so freien Westen kein Unrecht herrschte oder geschähe. Aber ein Unrecht rechtfertigt nicht ein anderes. Gewisse Wahrheiten sind und bleiben ganz simpel.

thumb_saadawi_3 Von Nawal El-Saadawi habe ich vor Jahren ihr Buch "Ich spucke auf euch" gelesen. Es zeigte mir eine weibliche Stimme, die von vielen Frauen nicht begrüsst wurde. Und schon gar nicht von den Bespuckten, den Männern. Es scheint, als ob heute die Entwicklung nicht vorwärts schritt, sondern rückwärts: in unseren dunklen Zeiten gewinnen die engstirnigen, bösen, dummen, gemeinen Männer mit ihrer Verfolgungspolitik an Terrain. Und täglich erhalten sie mehr Unterstützung von mehr und mehr Mitläufern und Duckmäusern.

Wir brauchen mehr Frauen wie Nawal El-Saadawi. Und Männer, die das kapieren.

Siehe auch: Auslandreise - oder Flucht? Die engagierte Schriftstellerin Nawal as-Saadawi verlässt Ägypten. Fakhri Saleh, Neue Zürcher Zeitung, 8. März 2007

thumb_nawal_saadawi thumb_saadawi_daughter_of_isisthumb_saadawi_memoirs

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