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ISO von Microsoft gekapert PDF Drucken E-Mail
ffii-logo-smallÜbersetzung der englischen FFII-Pressemitteilung "ISO captured by vendor Microsoft" (gekürzt) 

Brüssel, den 2. April 2008 - Die Mitglieder der Internationale Organisation für Normung (ISO) haben das Office Open XML (OOXML) Format nicht abgelehnt und es ist Microsoft somit gelungen, seinen Standard im Eilverfahren durchzudrücken. Die ISO wurde durch die von Microsoft genutzten unfairen Praktiken bloßgestellt: der Software-Konzern füllte die technischen Ausschüsse in zahlreichen Ländern mit eigenen Vertretern auf und veranlaßte die Intervention von höchsten Regierungsstellen in das Standardisierungsverfahren.

Eine Abstimmung durch die nationalen Mitglieder der ISO ergab eine Mehrheit für das umstrittene Format. OOXML erhielt 75 Prozent Zustimmung der P-Mitglieder von JTC1, darunter viele Nationen mit fragwürdiger Expertise in Normungsfragen. Im September 2007 war ein erster Versuch zur Annahme des 6000seitigen Standards an über 2300 eingereichten Kommentaren gescheitert. Wie schon im September wurden viele der neuen Ja-Stimmen durch Interventionen in hohen Regierungskreisen und die Dominanz des Softwareanbieters in den nationalen technischen Ausschüssen gewonnen.

Das vehemente Drängen auf eine Standardisierung von OOXML begann mit der Verabschiedung des OpenDocument-Formats (ODF) als ISO-Standard für Office-Dokumente (ISO 26300:2006). Der Monopolist Microsoft sieht den offenen ODF-Standard als eine Bedrohung für sein Flaggschiff-Produkt Microsoft Office an. Weltweit wechseln Regierungen zur ISO-Norm ODF als Standard-Format für Office-Dokumente, denn er ist ein herstellerneutraler offener Standard. Zur Verteidigung seines Monopols brachte Microsoft daraufhin sein inkompatibles alternatives Format OOXML mittels ECMA International ins ISO-Eilverfahren. Obwohl das OOXML-Format noch nicht ausgereift ist, gelang es Microsoft den ganzen ISO-Prozess zu kapern und die technische Überprüfung des Formats wurde durch die politische Einmischung des Urhebers in die ISO-Prozesse stark behindert.

Die Präsenz von Microsoft-Geschäftspartnern in technischen Ausschüssen wurde in folgenden Ländern beobachtet: Belgien, Brasilien, Kolumbien, Dänemark, Ägypten, Italien, Elfenbeinküste, Kenia, Mexiko, Nigeria, Portugal, Slowenien, Schweden, der Schweiz und den USA. Außerdem wurde berichtet, dass Microsoft in Regierungen und Ministerien zahlreicher Länder wie z.B. Frankreich und Malaysia darauf gedrängt hatte, die Entscheidung der technischen Ausschüsse gegen OOXML zu übergehen oder umzustoßen.

Jan Wildeboer, Solution Architect bei Red Hat, erklärt: "OOXML wurde ausschließlich für die Verwendung in Microsoft-Anwendungen kreiert. Es ist derzeit nicht als internationaler Standard geeignet, denn es kann von niemandem ohne Zugang zu Insider-Informationen vollständig implementiert werden. Obwohl die Beschreibung des Standards über 6000 Seiten lang ist, bezieht er sich auf vieles, das bloß in Microsoft-Software definiert ist, aber nicht in der Spezifikation selbst."

Laurent Richard von der belgischen Association Electronique Libre (AEL), sagt: "Die Auseinandersetzung über Dateiformate für Bürosoftware hat eben erst begonnen, die Zertifizierung als ISO-Standard ist nicht entscheidend. Vor allem geht es um den Einsatz von OOXML durch Regierungen und Verwaltungen. Sollte sich Microsoft durchsetzen, werden sich alle Bürger wieder eine Kopie von Microsoft Office kaufen müssen, um herauszufinden, was die Entscheidungsträger tun. Wir werden die Europäische Kommission auffordern, dieses Format gründlich zu prüfen und zu sicherzustellen, dass für alle Wettbewerber vollständige Interoperabilität mit Microsoft Office gewährleistet ist. Für den aktuellen OOXML Pseudo-Standard ist das nicht der Fall."

Benjamin Henrion, Initiator der Kampagne <NO>OOXML, ist empört über die Taktiken, deren Zeuge er über die letzten Monate wurde: "Um sein Format durch die ISO zu bringen, musste der Softwarekonzern Ausschüsse füllen, Minister lobbyieren, Geschäftspartner mobilisieren und die ISO-Regeln umschreiben - einen soliden und unabhängig implementierbaren Standardentwurf vorzulegen war nach all diesem Aufwand nicht mehr nötig." Henrion ergänzt: "Microsoft hat die ISO mit seinem Office-Dateiformat überwältigt und eine Normungs-Organisation in Trümmern hinterlassen. Mit ihrer ganzen Kampagne und den schmutzigen Taktiken, die sie verwenden mussten, um ihren kaputten Standard durchzuboxen, hat Microsoft ein Heer wütender OOXML-Gegner geschaffen. Diese Wut wird nicht verschwinden und Microsoft wird einiges Glück benötigen, damit ihr Format von den Regierungen auch angenommen wird. Der Ruf von Microsoft ist mit diesem Verfahren jedenfalls ruiniert."


Hintergrundinformationen


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<NO>OOXML campaign
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Über den FFII

Der FFII ist ein in mehreren europäischen Ländern eingetragener gemeinnütziger Verein, der die Entwicklung öffentlicher Informationsgüter auf Grundlage des Urheberrechts, freien Wettbewerbs und offener Standards unterstützt. Über 850 Mitglieder, 3.500 Unternehmen und 100.000 Unterstützer haben den FFII beauftragt, ihre Interessen bezüglich Eigentumsrechten im Bereich der Datenverarbeitung zu vertreten.

Über <NO>OOXML

Die Petition gegen die Standardisierung von Microsofts kaputtem OOXML-Format hat weltweit über 87000 Unterschriften gesammelt. NoOOXML.org wurde von Benjamin Henrion im Januar 2007 als Kampagne gegen die Standardisierung von Microsofts firmeneigenen Dateiformaten gestartet. Die Kampagne war Teil eines globalen Projekts der Arbeitsgruppe "Offene Standards" des FFII, die Aktivisten in über achtzig Ländern umfasst. NoOOXML.org wird unterstützt durch den FFII, die Shuttleworth Foundation, das Open Society Institute, OpenForum Europe, FTISA, iMatix Corporation und ESOMA.


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