 Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Stadt Pforzheim
präsentieren Band 3 des Briefwechsels - "Diese Schriften zählen zu den
wichtigsten Zeugnisse des europäischen Humanismus"
Am 15. Februar präsentiert die Heidelberger Akademie der
Wissenschaften gemeinsam mit der Stadt Pforzheim den 3. Band des Briefwechsels
von Johannes Reuchlin. Er wird im Beisein von Bürgermeister Gert Hager,
Kulturamtsleiterin Dr. Isabel Greschat, des Leiters der
Reuchlin-Forschungsstelle Prof. Dr. Wilhelm Kühlmann, des Verlegers Eckhart
Holzboog und den beiden Mitarbeitern der Forschungsstelle, Dr. Gerald Dörner und
Matthias Dall'Asta im Seminarraum (1. OG) des Reuchlinhauses Pforzheim,
Jahnstraße 42, der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Band enthält rund 90
Briefe aus den Jahren 1514 bis 1517. "Diese Schreiben zählen zweifelsohne zu den
wichtigsten Zeugnisse des europäischen Humanismus", so Dr. Gerald Dörner von der
Pforzheimer Forschungsstelle. "Sie liefern uns sehr gute Einblicke in das Denken
jener Epoche wie auch in die Machtkämpfe zwischen einem noch der
mittelalterlichen Scholastik verpflichteten Lager und dem Lager der deutschen
Humanisten."
Als Humanist stand Reuchlin auf der Höhe seines Ruhmes, als
1511 mit der Publikation seines "Augenspiegel" der sogenannte Judenbücherstreit
ausbrach. Dieses Buch enthält die Verteidigung eines im Oktober 1510 für Kaiser
Maximilian I. erstellten Gutachtens, in dem sich Reuchlin dezidiert gegen die
Konfiskation und drohende Vernichtung der jüdischen Literatur ausspricht. Durch
sein Gutachten zog sich Reuchlin den erbitterten Haß des Konvertiten Johannes
Pfefferkorn und die Feindschaft der Theologen der Kölner Universität zu. Der
Kölner Dominikanerprior und Inquisitor Jakob Hoogstraeten, der den
"Augenspiegel" 1513 nicht rechtskräftig als häretisch hatte brandmarken können,
sorgte 1514 für die Verlagerung des diesbezüglichen Prozesses an die römische
Kurie, wo dann erst 1520 ein abschließendes Urteil erging. Da Reuchlin sich -
anders als sein Widersacher Hoogstraeten - aus Altersgründen nicht selbst nach
Rom begeben wollte, mußte er sich dort durch Anwälte, Mittelsmänner und
einflußreiche Fürsprecher vertreten lassen.
Dieser historische
Hintergrund macht deutlich, warum ein Großteil von Reuchlins Briefen der Jahre
1514 bis 1517 an in Rom lebende Juristen und Theologen gerichtet ist, unter
denen sich so illustre Gestalten wie Egidio da Viterbo oder Papst Leo X.
befanden. Die 16 erhaltenen Briefe, die Reuchlin in dieser Zeit aus Rom empfing,
zeichnen ein lebhaftes Bild von den Zuständen an der römischen Kurie am Vorabend
der Reformation. Der neue Briefband enthält aber auch zahlreiche Schreiben
nordeuropäischer Humanisten wie Erasmus von Rotterdam, Jacques Lefèvre d'Etaples
oder Richard Croke. Das breite Themenspektrum reicht dabei von den Höhen der
jüdischen Kabbala und griechischen Philosophie über juristische Winkelzüge bis
in die Niederungen des Kölner Stadtklatsches.
Die Stadt Pforzheim
engagiert sich seit vielen Jahren für die Vermittlung und wissenschaftliche
Bearbeitung des Denkens und Wirkens ihres berühmtesten Sohnes. Neben dem in
zweijährigem Turnus vergebenen Reuchlinpreis für hervorragende
geisteswissenschaftliche Leistungen und dem regelmäßig stattfindenden
Reuchlinkongress ist die Edition des Briefwechsels ein zentrales Anliegen der
Stadt. Die vorliegende Ausgabe ist auf einen transdisziplinären
wissenschaftlichen Benutzerkreis ausgerichtet und für Klassische Philologen,
Hebraisten, Germanisten, Kultur-, Landes- und Rechtshistoriker, Theologen und
Philosophen gleichermaßen von Interesse.
Datum: 15. Februar
2007
Uhrzeit: 11 Uhr
Ort: Forschungsstelle Seminarraum (1.OG) des
Reuchlinhauses, Jahnstraße 42, 75173 Pforzheim.
Die Veranstaltung ist
öffentlich.
Johannes Reuchlin: Briefwechsel. Bd. 3: 1514-1517, hrsg. von
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Stadt
Pforzheim, bearb. von Matthias Dall'Asta und Gerald Dörner, Stuttgart-Bad
Cannstatt: Frommann-Holzboog 2007, Preis 128 Euro, ISBN
978-3-7728-1985-8.
Rückfragen bitte an:
Dr. Johannes
Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger
Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221 / 54 34 00
Fax: 06221 / 54 33
55
E-Mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Internet:
http://www.haw.baden-wuerttemberg.de
sowie
Dr. Isabel
Greschat
Kulturamtsleiterin der Stadt Pforzheim
Telefon: 07231/39 23 34
Fax: 07231/39 33
64
E-Mail:
Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Internet: http://www.pforzheim.de
|