Home
 
 
 
 
Home
Search - Suche
Sitemap
Newsfeeds
Newsletter
Weather
Zitig Polls
Podcast
Links
Recommend
Suggestions for authors
Authors
Imprint
Contact - Kontakt
Zitig Login
Bookmark Page


Johann Gottlieb Fichte - 3 Texte PDF Drucken E-Mail

Drei philosophische Texte von Fichte zum Thema Wissenschaftslehre, worüber man ein wenig nachdenken sollte. In seinem Identitätssatz erkennen wir, dass A nicht gleich A ist.  1 ist demnach nicht 1, sondern X. Lesen Sie mehr ... 

Fichte schrieb 1794:

"Es ist leicht zu bemerken, dass bei Voraussetzung der Möglichkeit einer solchen Wissenschaftslehre überhaupt, so wie insbesondere der Möglichkeit ihres Grundsatzes, immer vorausgesetzt werde, dass im menschlichen Wissen wirklich ein System sey. Soll ein solches System darin seyn, so lässt sich auch, unabhängig von unserer Beschreibung der Wissenschaftslehre, erweisen, dass es einen solchen absolut-ersten Grundsatz geben müsse.
Soll es kein solches System geben, so lassen sich nur zwei Fälle denken. Entweder, es giebt überhaupt nichts unmittelbar Gewisses; unser Wissen bildet mehrere oder Eine unendliche Reihe, in der jeder Satz durch einen höheren, und dieser wieder durch einen höheren u.s.f. begründet wird. Wir bauen unsere Wohnhäuser auf den Erdboden, dieser ruht auf einem Elephanten, dieser auf einer Schildkröte, diese — wer weiss es auf was, und so ins unendliche fort. — Wenn es mit unserem Wissen einmal so beschaffen ist, so können wir es freilich nicht ändern, aber wir haben dann auch kein festes Wissen: wir sind vielleicht bis auf ein gewisses Glied in der Reihe zurückgegangen, und bis auf dieses haben wir alles fest gefunden; aber wer kann uns dafür einstehen, dass wir nicht, wenn wir etwa noch tiefer gehen sollten, den Ungrund desselben finden, und es werden aufgeben müssen? Unsere Gewiss­heit ist erbeten, und wir können ihrer nie auf den folgenden Tag sicher seyn.

Oder — der zweite Fall — unser Wissen besteht aus endlichen Reihen, aber aus mehreren, jede Reihe schliesst sich in einem Grundsatze, der durch keinen anderen, sondern bloss durch sich selbst begründet wird; aber es giebt solcher Grundsätze mehrere, welche, da sie sich alle durch sich selbst, und schlechthin unabhängig von allen übrigen begründen, keinen Zusammenhang unter sich haben, sondern völlig isolirt sind."

Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre. Sämtliche Werke, hrsg. v. I. H. Fichte, Bd. I, S. 52 f.

-----

1797 schrieb er:

"Kant redet doch von einem Dinge an sich? Was ist ihm denn dieses Ding? Ein Noumen, wie wir in mehreren Stellen seiner Schriften lesen können. Dasselbe, nemlich blosses Noumen, ist es auch bei Reinhold und Schulz. Was aber ist denn ein Noumen? Nach Kant, nach Reinhold, nach Schulz, etwas, das von uns, nach nachzuweisenden, und von Kant nachgewiesenen Gesetzen des Denkens, zu der Erscheinung nur hinzu gedacht wird, und nach diesen Gesetzen hinzu gedacht werden muss; das sonach nur durch unser Denken entsteht; jedoch nicht durch unser freies, sondern durch ein unter Voraussetzung der Ichheit nothwendiges Denken — und sonach nur für unser Denken, für uns denkende Wesen, da ist. Und dieses Noumen oder Ding an sich, wozu wollen jene Ausleger es noch weiter brauchen? Dieser Gedanke eines Dinges an sich ist durch die Empfindung begründet, und die Empfindung wollen sie wieder durch den Gedanken eines Dinges an sich begründen lassen. Ihr Erdball ruht auf dem grossen Elephanten, und der grosse Elephant - ruht auf dem Erdballe. Ihr Ding an sich, das ein blosser Gedanke ist, soll auf das Ich einwirken! Haben sie ihre erste Rede wieder vergessen; und ist ihr Ding an sich, das noch soeben ein blosser Gedanke war, jetzt etwas anderes, als ein blosser Gedanke?"

Zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre. Sämmtliche Werke, hrsg. v. I. H. Fichte, Bd. I, S. 482 f.

-----

Und 1800:

Ich. Behandle mich nicht wie ein Kind, und muthe mir nicht greifliche Absurditäten an. Ich gelange durch den Satz des Grundes erst zu Dingen ausser mir; wie kann ich denn hinwiederum erst durch sie, diese Dinge ausser mir, zu diesem Satze gelangt seyn? Ruht die Erde auf dem grossen Elephanten, und der grosse Elephant — wiederum auf der Erde?"

Die Bestimmung des Menschen. Sämtliche Werke, hrsg. v. I. H. Fichte, Bd. II, S. 219.

----

Quelle: Auf dem Rücken von Schildkröten.

Oder: Die Rückkehr der Wissenschaft zum Mythos. Geschichte einer Anekdote

 

Comments
RSS
Only registered users can write comments!

3.20 Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
< zurück   weiter >