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lechner_90Wie es HLH in seinem Artikel “Pseudowissenschaftliches Tragödiengeschwätz ” schon angesprochen hat, ist die Theologie durch ihre im Konkordat abgesicherte Sonderstellung einer besonderen Einflussnahme durch die Religionsgemeinschaften ausgesetzt. So ist das Postulat „Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei“ hier besonders in Frage gestellt. Dass auch andere Disziplinen nicht absolut frei sind, jedenfalls nicht von Modeströmungen in den angewendeten Erklärungsmodellen oder von finanziellen Interessen (Drittmittelforschung), soll hier einmal außer Betracht bleiben.

Georg Lechner, 14.8.2007  Die Einflussnahme erfolgt vor allem durch die personalpolitischen und disziplinären Möglichkeiten, die sich aus dem Konkordat ergeben. Es gab und gibt allerdings immer wieder Theologen, die die wissenschaftliche Freiheit ernst genommen und Konflikte (Abberufungen von Lehrstühlen oder Verweigerung des bischöflichen „Nihil obstat“, „Bußschweigen“ usw.) riskiert haben.  Waren die Aussagen publikumswirksam (wie etwa bei Küng oder Drewermann), kam es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Disziplinierungen.

Lang, lang ist es her, dass ein Thomas von Aquin trotz der Aussage, die Hölle sei ein Konstrukt der Theologen, zum Kirchenlehrer ernannt wurde. Damit ist schon der Punkt angesprochen, worüber nach profanen Kriterien wissenschaftliche Untersuchungen und Aussagen im Bereich des Religiösen überhaupt möglich sind – Gott selbst und alles „Jenseitige“ (wie Engel, Hölle,…) scheiden logischerweise aus. Als (positive) Beispiele wäre die Exegese (also die Analyse der Überlieferungen wie etwa der Bibel mit sprachwissenschaftlichen und historischen Methoden) oder die Religionssoziologie zu nennen. Deren Ergebnisse sind übrigens oft brisant genug. Auf einem Exegetenkongress etwa kam heraus, dass keines der angeblichen Worte Jesu , die in der Bibel überliefert werden, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als authentisch anzusehen ist. Um (unsinnigerweise, wie ich meine) etwas von der vermeintlichen Bedeutung Gottes in die Gegenwart zu retten, wird seine Rolle als Urheber der materiellen Welt behauptet und unter anderem mit den Parallelen in den verschiedensten religiösen Überlieferungen untermauert. Wie da Einfluß genommen wird, um das in die Schulen zu bringen, ist abstoßend.

Ein Beispiel wird im Artikel „Wo sind die Dinosaurier in der Bibel?“ von Ute Pawlitschek in Publik-Forum 14/2007 erwähnt (nachfolgend in * * angeführt):

*Die Bibel wird an deutschen Schulen wohl ähnlich selten bemüht wie ein Horoskop bei der Erklärung des Planetensystems. In der Vorstellung der hessischen CDU-Kultusministerin ist dieses Fehlen ein Defizit, das dringend behoben werden sollte. Wolff, die vor Amtsantritt zehn Jahre evangelische Religion unterrichtete, hatte angeregt, den christlichen Schöpfungsglauben im Biologieunterricht zu behandeln und damit für einigen Wirbel gesorgt. „Entweder hat Frau Wolff keine Ahnung von der Evolutionstheorie oder vom Schöpfungsbericht – wahrscheinlich beides“, spottet Professor Thomas Junker, stellvertretender Sprecher der AG Evolutionstheorie. In dieser Arbeitsgemeinschaft wollen 40 deutsche Evolutionswissenschaftler die Öffentlichkeit über die Evolution aufklären.

* Apropos „wenig Ahnung vom Schöpfungsbericht“: Die Bibel selbst liefert in den ersten beiden Kapiteln des Buches Genesis zwei Varianten des Schöpfungsberichts und führt damit jene ad absurdum, die aus durchsichtigen Gründen immer nur die erste davon weiterverbreiten wollen. Nicht nur wegen meiner ausgeprägt kirchlichen Sozialisation schätze ich die Bibel…(dass ich Religion als Frucht menschlicher Reflexionen mit den Irrungen und Wirrungen menschlicher Geschichte - und auch Auseinandersetzungen mit "geistlicher" Anmaßung - einschätze und hochschätze, habe ich bereits in Ausgesessen 38 geäußert)... 

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