| EU muss Europawahlen besser dokumentieren |
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Politikwissenschaftler der Universität Mannheim stellen Daten öffentlich zur Verfügung Seit 1979 werden die Abgeordneten des Europaparlaments direkt von den Bürgern gewählt. Durch die Direktwahl und weitere Reformen der europäischen Verträge erhielt das Parlament in den vergangenen Jahren einen immer höheren politischen Stellenwert. "Es gibt allerdings keine europäische Institution, die die amtlichen Europawahlergebnisse sammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt", erklärt Markus Tausendpfund, Politikwissenschaftler am MZES, im Vorfeld des Europatages am 9. Mai. Wer Ergebnisse der Europawahlen sucht, muss folglich auf Sekundärquellen zurückgreifen. Diese weisen nach Ansicht der Mannheimer Forscher allerdings zwei Defizite auf. "Erstens lassen sich immer wieder Unterschiede in den veröffentlichen Wahlergebnissen feststellen, und zweitens wird in den seltensten Fällen eine konkrete Quelle für die publizierten Daten genannt", sagt Tausendpfund. So variiert beispielsweise der Prozentanteil der britischen Konservativen bei der Europawahl 1994 in der Fachliteratur zwischen 26,8 und 27,9 Prozent.
Das Problem unzuverlässiger Informationen über die EU-Wahlergebnisse haben Daniela Braun, ebenfalls Politikwissenschaftlerin am MZES, und Markus Tausendpfund aufgegriffen. Mit Blick auf die Europawahlen 2009 sind die Politikwissenschaftler damit allerdings nicht zufrieden. "Öffentlichkeit und Wissenschaft haben ein berechtigtes Interesse an einfach zugänglichen und verlässlichen Europawahlergebnissen", betonen Braun und Tausendpfund. Die Mannheimer Politikwissenschaftler empfehlen dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission eine Institution zu beauftragen, die die amtlichen Wahlergebnisse sammelt, auswertet und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. "Die nationalen Ergebnisse und Beteiligungen der Europawahlen sind dabei nur der Ausgangspunkt", betont Tausendpfund. Wünschenswert seien auch Wahlergebnisse auf regionaler und lokaler Ebene, um Abweichungen vom nationalen Trend feststellen zu können. Zudem sollten die Ergebnisse der nationalen Hauptwahlen berücksichtigt werden, da die Europawahlergebnisse am besten als Abweichung von diesen zu interpretieren seien, so der Politikwissenschaftler. Um die begrenzte und heterogene Datenbasis der Europawahlforschung zu verbessern, ist das MZES unter Leitung von PD Dr. Hermann Schmitt auch im europaweiten PIREDEU-Projekt eingebunden. Ziel ist es, eine Infrastruktur-Einrichtung zu schaffen, die eine integrierte Datenbank für die Erforschung der demokratischen Prozesse in der Europäischen Union bereitstellt. "Daten für gegenwärtige und vergangene Europawahlen werden zusammengeführt und der Wissenschaft sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt", erläutert Schmitt. Das MZES wird - wie schon bei früheren Europawahlstudien - für die Sammlung, Dokumentation und Auswertung der Europawahlprogramme der politischen Parteien zuständig sein. Tausendpfund, Markus, und Daniela Braun (2008): Die schwierige Suche nach Ergebnissen der Wahlen zum Europäischen Parlament: Ein neuer Datensatz für die Wahlen 1979 bis 2004. Zeitschrift für Parlamentsfragen, 39, Heft 1, S. 84-93. Kontakt und weitere Informationen:
Daniela Braun
Markus Tausendpfund
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