| Ursachen rechtsextremer Einstellungen in Deutschland |
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Rechtsextremismus gedeiht in der deutschen Bevölkerung auf dem Boden von Angst und Ausgrenzungserfahrungen.
Gleichzeitig herrschen weit
verbreitete ausländerfeindliche Einstellungen sowie eine geringe
Wertschätzung der Demokratie. Zu diesem Befund kommt die bundesweite
Studie "Ein Blick in die Mitte. Zur Entstehung rechtsextremer und
demokratischer Einstellungen" von Prof. Dr. Elmar Brähler und Dr.
Oliver Decker von der Selbständigen Abteilung für Medizinische
Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig. Dabei zeigte sich, dass ausländerfeindliche Ressentiments in der Bevölkerung offenbar weiter verbreitet sind als bislang angenommen. "Sie wurden in allen Diskussionen mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit geäußert - auch bei Personen, die in der ersten Studie nicht durch rechtsextreme Einstellungen aufgefallen waren", betont Oliver Decker. Zudem zeigten die Diskussionen, dass die Teilnehmer offenbar einen hohen gesellschaftlichen Anpassungsdruck empfinden. Gleichzeitig werden aber - diesen Druck verstärkende - Sanktionen gegenüber abweichendem Verhalten akzeptiert. Generell, so Decker, herrsche zudem ein großes Unwissen und Unverständnis über die Möglichkeiten der Mitwirkung in einer Demokratie, verbunden mit einer Geringschätzung des demokratischen Systems an sich. Es werde nur insofern akzeptiert, wie es individuellen Wohlstand garantiere. "Erschreckend war für uns, wie gern die Befragten auch die bescheidenste Demokratie gegen autoritäre Strukturen eintauschen würden, in denen vermeintlich Ordnung, Ruhe und Chancengleichheit herrscht", sagt Oliver Decker. Viele der jungen Leute hofften auf "irgend einen Führer", weil es so nicht mehr weitergehen könne, die Teilnehmer mittleren Alters resignierten und meinten sarkastisch, Politik sei ohnehin nur Lug und Trug, während die Älteren die klaren Regeln ihrer Jugend - im Osten die Umstände in der DDR und im Westen zuweilen sogar die Nazizeit - als Vorbild heranzögen und glorifizierten. In der Auswertung der Diskussionen waren die Wissenschaftler zudem bemüht, die politischen Aussagen der Teilnehmer mit ihren Lebensläufen in Deckung zu bringen, erläutert Oliver Decker. Dabei zeigte sich, dass autoritäre Denkstrukturen und Gewalterfahrungen eine hohe Bedeutung bei der Herausbildung rechtsextremer Einstellungen haben. "Umgekehrt wirken die Fähigkeit zur Empathie und die Erfahrung von Anerkennung als Schutz davor", betont Decker. Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands: Eine Verweigerung der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit fördere rechtsextreme Einstellungen, während eine inhaltliche als auch emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema rechtsextreme Einstellungen eher bremse. Dass rechtextremes Gedankengut indes auch nach einem halben Jahrhundert noch weit verbreitet sei, erklären Decker und Brähler mit der "narzisstischen Plombe": Der mit dem so genannten Wirtschaftswunder in Westdeutschland relativ schnell einsetzende Wohlstand habe weder für Nachdenklichkeit noch für Scham Raum und Zeit gelassen. Eine ähnliche Entwicklung erhofften Ostdeutsche nach der Wende und beantworten die Enttäuschung dieser Erwartung mit Politik- und Demokratieverdrossenheit. "Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf", sagt Decker. Die detaillierten Ergebnisse der Studie, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) entstanden ist, werden heute Abend im "Forum Berlin" der FES vorgestellt. Danach ist die Studie auch als Buch oder im Download unter http://library.fes.de/pdf-files/do/05433.pdf erhältlich.
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