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Haimo L. Handl zu neuen Kontroll- und Messverfahren, die den Terrorstaat für seinen Staatsterrorismus stärken. Psychologen und andere Experten als Büttel der Überwachung!
31.01.2007
Mittelalterliche Zustände kommen nicht einfach wieder. Was
sich gegenwärtig anschickt Realität zu werden, ist schlimmer, als der frühere
Tugendterror der Kirchen und Potentaten z.B. mittels der heiligen Inquisition
oder der säkularen peinlichen Gerichtspraktiken. Es geht um eine
Einstellungsmessung zwecks entsprechender Ahndung, also um Abwehrmassnahmen
bzw. Strafen, bevor die Tat vollzogen wurde, alleine aufgrund von Daten, die
die Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit einer solchen indizieren.
In früheren, ähnlich hysterischen Zeiten, genügte oft ein
"falscher Blick" um als Hexe gefangen zu werden. Die Beteuerungen
nutzten nichts, das "Gottesurteil" wurde als Gnade gewährt und war
als "gerecht" empfunden worden. Oder es wurde gefoltert. Der Feuertod
am Scheiterhaufen war als "Reinigung" gesehen.
Oft führte ein gewisses Aussehen, eine bestimmte Art von
Erscheinungsbild, Körperbau oder -haltung zum Tatbestand des
"Abnormen" oder zumindest "Verdächtigen". Wissenschaftler
wie Lavater (1741-1801; "Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der
Menschenkenntnis und Menschenliebe") und andere meinten, allein aufgrund
der Physiognomie schon dem Charakter einer Person feststellen zu können. Was er
ohne negative Intention entwarf, war die Folie, auf welcher sich inhumane
Zuordnungen und Verallgemeinerungen, Stereotype und Vorteile leicht und
"wissenschaftlich bewiesen" durchführen liessen.
Das war so überzeugend, dass es später von Rassisten und
anderen Tugendhaften wiederentdeckt und verwendet wurde. Sogar nach dem Zweiten
Weltkrieg übten sich viele Staatseinrichtungen, Polizeiorganisationen,
Beamtenschaften und Bildungsexperten in der Überzeugung, dass man z.B. den
Zigeunern ansehe, dass sie verbrecherisch veranlagte Asoziale seien. Es ist
noch nicht lange her, dass aufgrund solcher Haltungen Hatzen, Jagden und
Bestrafungen legitimiert wurden. Und dort, wo es nicht zur offenen Jagd kam,
bekam solch ein "Typischer" es dennoch zu spüren, weil
er, nachdem ihm
die negative Anlage, die Potentialität zum Verbrechen, ins Gesicht geschrieben
war, besonders hart bestraft wurde. Das Establishment, die herrschende Klasse
hat immer Recht. Dort, wo sie kein Recht hat, schafft sie sich gewalttätig
eines.
Jetzt arbeiten Psychologen und andere Experten zur
verfeinerten Ausbeutung, Kontrolle und Verwaltung von Menschen an neuen
Verfahren, um den bösen, systemfeindlichen Menschen herauszufiltern zu können.
Gefördert vom Staat, die Infrastruktur staatlicher Universitäten und Hochschulen
nutzend, arbeiten privatwirtschaftliche Profitstreber mit
öffentlich-rechtlichen Bildungsexperten und Psychologen an neuen
Kontrollverfahren, um den "Feind", der überall lauert, schneller
entdecken und "unschädlich" machen zu können. Besonders tun sich
jetzt Psychologen der TU Darmstadt hervor mit ihrem neu entwickelten
Bewerber-Test, der unter anderem die Neigung zu Korruption und Betrug misst.
Es ist kein Zufall, dass in Zeiten der gesteigerten
Terrorhysterie und Kriegsgeilheit, der ungeahnten Chancen für bestimmte
Kriegsgewinne alle jene näher geprüft werden müssen, die durch deviantes
Verhalten bzw. Einstellungen anzeigen, dass sie zur Gefahr werden könnten.
Was anfänglich im ökonomischen Bereich (Kleinsabotage,
Korruption etc.) angesiedelt scheint, ist von der Struktur und Zielrichtung her
auf Tieferes und Weiteres orientiert: gemäss der inhumane Haltung, dass jeder
ein Verbrecher, ein Feind ist, bis durch expansive Prüfung das Gegenteil
bewiesen ist, werden Feinde ausgemacht und "ausgemerzt", bevor sie
schädlich "tätig" werden.
Man stelle sich vor: künftig werden alle vom Kindergarten
über die Schulen beobachtet und "begleitet" (wir leben ja in einer
Betreuungskultur!). Die Daten dienen präzisen Persönlichkeitsprofilen. Im
Verbund mit den Daten über Bildungsgewohnheiten (Bücherkauf, Lektüre in
Bibliotheken, Fernsehkonsum, Konsum generell, soweit über Bank- oder
Kreditkartenkauf nachvollziehbar, konkrete Mobilität (reale örtliche
Veränderungen), elektronische Mobilität (Einsatz von Internet: Anzahl, Dauer,
Art), Mitgliedschaften in Klubs, Vereinen, Partei oder Kirche etc. sowie den
Sozialdaten (Familienstand, Einkommen etc.) lässt sich also vorhersagen, wer
"brav" und akzeptabel zu sein scheint (der Schein gilt als
"Sein") oder wer eine Gefahr darstellt.
"Entsorgungsmassnahmen" gegen Asoziale oder Terroristen lassen sich
also frühzeitigst effizienter und effektiver organisieren.
Der Überwachungsstaat soll verfeinert werden mit Hilfe von
Psychobütteln. Die Wissenschaft wieder einmal im Dienste der Ausbeutung und
Knechtung.
Der Terrorstaat baut seinen Staatsterrorismus aus. Denn das,
was wir jetzt hören und lesen, ist nur eine kleine, aber konsequente
Weiterentwicklung.
Würde man solche nicht nur hahnebüchene, sondern vor allem
inhumane Massnahmen primär bei Politikern und Spitzenmanagern einsetzen, könnte
man über Nacht das Feld bereinigen von den wirklich Korrupten, den wirklich
Gemeingefährlichen! Aber, auch das ist nicht neu: während die
Weissen-Westen-Gangster, the racketiers, ihr kriminelles Geschäft ausweiten,
lenkt man mit der Jagd auf Ladendiebe oder mögliche Kleinkorrupte ab. Es
funktioniert immer noch. Die Medien, mehrheitlich im Bütteldienst wie solche
Helfershelfer und Mitläufer der Ausbeutung, tragen wesentlich dazu bei, die
Desinformation auszuweiten, in welcher Hysterien und Ängste gedeihen.
Genau dieses Klima braucht das Grossgeschäft, das dann
solche Psychologen beschäftigt für solche neue Messmethoden...
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