| Bildung mit und ohne Zugang? |
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"Der gerechte Zugang zu Bildung ist eine der wichtigsten sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts", sagt Marianne Heimbach-Steins, lesen wir in einer Pressemitteilung der Universität Bamberg . (Siehe auch Artikel hier vom 15.1.07 ) Aber alles, wozu es einen eigenen Zugang gibt, muss als Entität vorhanden sein, muss örtlich sein oder ein Gut, eine Ware, die man sich einverleibt, abholt, kauft, stiehlt. Das Gerede vom Zugang, der erschwert oder erleichtert wird, verdeckt eufemistisch, dass Bildung nicht einfach von Zugangsbedingungen für ihren Erwerb abhängt, sondern von eigenen Bildungsleistungen. Bildung ist ein Resultat persönlicher Bildungsprozesse. Wovon sinnvoll geredet werden könnte, wären Bedingungen der Sozialisationen und Ausbildungen. Doch die Rede vom "Zugang" reduziert fokussierend nur den Ausbildungsbereich, jenen der speziellen Kenntnisse und Fertigkeiten, die jemand sich "aneignen" kann wie eine Technik; dort gilt fürwahr das Warenprinzip: wer die Mittel hat, erwirbt. Allerdings ohne Garantie, die Technik, die Fertigkeit wirklich zu beherrschen. Haben ist nicht Sein, erworben haben heisst noch nicht Können. Bildung ist aber mehr als Fertigkeit, mehr als Ausbildung. Doch genau das wird verdeckt, weggeschoben in der Konzentration auf das Technische, auf das leicht Messbare, auf das präzise Planbare. Nirgendwo wird hier Bildung als Persönlichkeitsqualität gesehen, als Summe von Person, Wissen, Kenntnisse UND Fertigkeiten. Es wird das Partikulare hervorgehoben, das GANZE unbesehen beiseite geschoben. Das Ganze stört. Nicht Persönlichkeiten sind das Bildungsziel, sondern Aufgabenerfüller. Dann wird aus politischer Korrektheit so getan, als ob die Bildungsmisere eine aus finanziellen Gründen ist oder sozialen: als ob eine Mehrheit eine Minderheit aktiv daran hindere, sich zu bilden. Das meint man feststellen zu können, weil man auf die Zugangsmöglichkeiten verweist: Es sind nicht die Kinder und Jugendlichen, die lernen, nicht die Eltern, die beispielgebend und elterlich lehrend "bei-bringen", nein, es ist die Barriere in Schulen, Ausbildungsstätten, Akademien, Elitetrainingsstätten, die den Armen die Bildung verwehren. Diese unrealistische, verlogene Haltung erlaubt eine Verschiebung der Verantwortung. Natürlich spielen Zugangsbedingungen eine wichtige Rolle. Aber was ist mit all den andern Aspekten? Die ganze Debatte ist so dümmlich wie jene obsoleten Haltungen die meinten, mit Geld lasse sich die friedliche, klassenlose Gesellschaft zimmern. Es stimmt nicht. Im Übrigen wird dabei geflissentlich übersehen, dass wichtige Positionen in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft und vor allem in der Politik NICHT nach nachprüfbaren Qualitätskriterien beseetzt werden, sondernnach sozialen. Wie erklären denn die Bildungsexperten, dass Halbgebildete höchste Staatsämter innehaben, dass Günstlinge als Vorstände und Aufsichtsratsvorsitzende schalten und walten? Es wäre hoch an der Zeit, sich hier zu besinnen und wenigstens das Kind beim Namen zu nennen, wenn man schon kein Vermögen hat, das Problem adäquat zu reflektieren.
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